UmweltBriefe - Nachhaltiges Handeln in Kommunen
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Ausgabe Juni 2022
 
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Gas im (Über-)Fluss

Bislang gibt es in Deutschland keine Flüssigerdgas-(LNG)-Terminals. Ihren künftigen und schnellen Bau soll nun ein LNG-Beschleunigungsgesetz erheblich vereinfachen. Der Bundesrat hat das Gesetz ohne viel Federlesen am 20. Mai durchgewunken – was der BDEW begrüßt. „Für das Ziel, bis 2024 russische Gaslieferungen fast vollständig aus anderen Quellen decken zu können, sind eigene LNG-Terminals unverzichtbar“, sagt BDEW-Präsidentin Andreae.
Als Standorte für schwimmende LNG-Anlagen sind Brunsbüttel, Wilhelmshaven, Stade, Hamburg, Rostock avisiert. Das erste schwimmende FSRU (Floating Storage and Regasification Units) wird voraussichtlich bereits zum Ende dieses Jahres vor Wilhelmshaven entstehen, Anfang 2023 das zweite. Von 2025 an sollen diese Spezialschiffe durch Terminals an Land ersetzt werden. Ob man diese bis zu elf Anlagen aber benötigt, ist unklar. Eine Bedarfsplanung hat Wirtschaftsminister Habeck bisher nicht vorgelegt.
Umweltverbände warnen vor einer Überkapazität. Eine Betriebserlaubnis für elf LNG-Terminals wäre „für so erhebliche CO2-Emissionen verantwortlich, dass sie nicht mit dem Paris-Abkommen, dem Bundesklimaschutzgesetz und dem Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts vereinbar ist“, beklagt die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Dabei bestünde „ein Eilbedarf“, so der Umweltverband, selbst laut dem Wirtschaftsministerium nur für zwei Vorhaben, eben den bereits im Bau befindlichen schwimmenden LNG-Terminal in Wilhelmshaven und dessen Anschlusspipeline vom Hafen zur 26 km entfernten Leitung der Norddeutschen Erdgas-Transversale (Netra) sowie einer zweiten LNG-Anlage. Das Beschleunigungsgesetz dagegen mit seinen langen Betriebsgenehmigungen für feste Terminals an Land „gießt unsere Abhängigkeit von fossilem Gas bis weit in die 2040er Jahre in Zement“, sagt DUH-Chef Sascha Müller-Kraenner.
Feste LNG-Terminals würden „nur mit dem Ziel, auch Wasserstoff-ready zu sein, gebaut“, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Habeck verspricht, die Terminals so früh wie möglich für Wasserstoff zu nutzen. Doch im Gesetz befinden sich keinerlei Vorgaben zur wasserstofffähigen Planung solcher Anlagen, bemängelt die DUH.
Laut des nun vom Bundesrat abgesegneten Gesetzes werden landseitige LNG-Terminals zwar nicht von einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ausgenommen sein, FSRU dagegen schon. Und die überdimensionierte Kapazität bleibt, ebenso das Enddatum für den Terminalbetrieb: 2043.
Dabei bescheinigen Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und des Beratungsunternehmens Artelys, dass bestehende Pipelines und LNG-Terminals (z.B. Zeebrugge in Belgien oder Rotterdam in den Niederlande) in Mitteleuropa eigentlich ausreichten, um die Versorgung mit Erdgas, unabhängig von Russland, sicherzustellen.
Dass auch die Biogasbranche fossile Importe aus Putins Reich in großem Stil ablösen könnte, scheint aber nicht der Fall. Die Substitution von russischem Gas durch Biogas sei nur begrenzt möglich, sagt das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ). Ohnehin, teilen die Bioenergieforscher mit, sei ein direkter Ersatz von Erd- durch Biogas erst nach Aufbereitung zu Biomethan möglich. „Dies erfolgt derzeit im Umfang von elf Terawatttstunden, was einem Anteil von etwa einem Prozent am Gasmarkt entspricht.“ Dieser ließe sich nach Einschätzung des DBFZ bis 2030 auf nur drei Prozent ausweiten.

von Tim Bartels

> Das DBFZ-Papier Die Rolle von Biogas für eine sichere Gasversorgung in Deutschland steht bereit unter https://www.dbfz.de/pressemediathek/weitere-publikationen/stellungnahmen-studien
> Gesetzentwurf zur Beschleunigung des Einsatzes verflüssigten Erdgases: https://dserver.bundestag.de/btd/20/017/2001742.pdf
> LNG-Gesetz im Bundesrat: https://www.bundesrat.de/SharedDocs/beratungsvorgaenge/2022/0201-0300/0221-22.html
  

 

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