UmweltBriefe - Nachhaltiges Handeln in Kommunen
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Ausgabe Juli/August 2022
Bürgerinfo
 
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Umweltbriefe

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Foto: Eberhard / Adobe Stock

So nutzen Sie Holz umweltgerecht:

Nachwachsende Rohstoffe
Bauwende zum Holzhaus

Würde man künftig beim Neubau statt Stahlbeton natürliche Rohstoffe wie Holz oder Bambus nutzen, ließen sich enorme Mengen klimaschädlicher Emissionen vermeiden. Überdies würde eine dauerhafte „CO2-Senke“ entstehen. So die Botschaft des internationalen Projekts „Bauhaus der Erde“.

Initiator dieser Formel „Holz statt Beton“ ist Hans Joachim Schellnhuber, der Gründer des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und persönliche Ex-Berater von Angela Merkel. Verstanden hatte die Physikerin als Kanzlerin alles, was Schellnhuber riet, doch durchsetzen konnte sie nichts davon. Nun will der ehemalige Klimamodellierer nicht mehr nur warnen, was passieren könnte, wenn wir so weitermachen, sondern vielmehr darin überzeugen, was jetzt zu tun ist: „gezielt auf Holz, Bambus, Hanf, Lehm und andere Materialien ohne schweren CO2-Rucksack setzen“. Denn anders als der Bestandteil von Beton – Zement bzw. Kalk, der bei hohen Temperaturen gebrannt wird und viel CO2 freisetzt, genauso wie Stahl im Hochofen – bindet das Holz das Treibhausgas. Doch je interessanter Holz für die Bauindustrie wird, desto größer der Druck auf den Wald. Forciert das nicht die Rodung der Wälder? „Nein, auf keinen Fall“, sagt Schellnhuber: „Wir müssen weltweit insbesondere degradierte Flächen aufforsten, um darüber CO2 neu zu binden.“ Wälder nehmen fast ein Drittel der vom Menschen ausgestoßenen CO2-Mengen auf. Es müsse Schluss damit sein, Stahl und Beton zu verbauen, der nicht vernünftig wiederverwertet werden könne, so der Klimaforscher.
Dagegen würde unsere Nordhalbkugel bei guter Waldwirtschaft genügend Biomasse anbieten, um Neubauten mit Holz zu bedienen. Schellnhubers Idee sieht eine organische Architektur vor, deren nachwachsende Rohstoffe im dynamischen Gleichgewicht entnommen werden. Das setze einen Nachfragemarkt für den Waldbestand voraus, der sich trotz Nutzung positiv entwickele, so die Vision Schellnhubers. „Die geerntete Biomasse wird in langlebigen Produkten wie Brettsperrholz oder chemiefreien Möbeln gespeichert.“ Damit entziehe man der Atmosphäre wieder einen Teil des CO2, das durch fossile Energiewirtschaft ausgestoßen wurde.
Tatsächlich werden Holzhäuser ja auch immer beliebter. Das bislang höchste mit 34 m steht in Heilbronn und hat zehn Stockwerke (s. Bild): Es sollen darin 480 Fichtenstämme, die je 25 m hoch waren und 40 cm durchmaßen, verbaut worden sein, insgesamt 1 500 m3 Holz. Getoppt werden soll das 2023 durch einen 65 m hohen Holzbau in der Hamburger Hafen-City: Dafür werden 5 500 m3 Bauholz benötigt. Und eines fernen Tages Mitte der 2030er Jahre soll auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel in Berlin ein überwiegend aus Holz bestehendes Quartier mit 5 000 Wohnungen entstehen. Ginge es nach Schellnhuber, sollen das keine Leuchtturmprojekte und Unikate bleiben, sondern Vorbilder für massenhaften Holzbau.

von Tim Bartels

> https://bauhauserde.org/resources
>
Datengrundlage zur Verfügbarkeit von Holz als Baustoff: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/potenziale-von-bauen-holz

So nutzen Sie Holz umweltgerecht:

1. Holz hat Einfluss auf Gesundheit und Stimmung. Eine Inneneinrichtung mit Holz senkt Blutdruck und Herzfrequenz und damit den Stresspegel, während Konzentration, Aufmerksamkeit und Kreativität zunehmen. Ob es nun die im Holz enthaltenen ätherischen Öle, die freundlichere Lichtatmosphäre oder die geringere elektrostatische Aufladung sind, die diese Effekte bewirken – wir sollten diese nutzen, um unser Leben zu bereichern und das Klima zu schützen.

2. Besser ein Siegel als kein Siegel. FSC (Forest Stewardship Council) oder PEFC (Pan-European Forest Certification) kennzeichnen Produkte, die aus nachhaltiger Holzwirtschaft stammen. Im Vergleich fallen die PEFC-Kriterien hinter denen des FSC zurück. Bei PEFC würden auf Basis einer Selbstauskunft teilweise Waldregionen pauschal bewertet, bemängelt das Umweltbundesamt. Im Jahr 2021 wurden 79,2 Prozent der deutschen Waldfläche nach PEFC und 12,9 Prozent nach FSC bewirtschaftet.

3. Auf Tropenholz verzichten. Auch Regenwald kann nachhaltig bewirtschaftet werden. Wird damit vor Ort Geld verdient, kann es vielleicht illegale Abholzungen verringern. Doch sollte man besser auf Produkte aus heimischen Hölzern zurückgreifen: z.B. Buche, Robinie, Lärche oder Fichte. Tropenhölzer erkennen Sie an ihren exotischen Namen wie Akazie, Mahagoni, Meranti, Teak und Wenge. Auch Bezeichnungen wie Edelholz, Hartholz, Echtholz und Plantagenholz deuten auf tropische Herkunft hin.

4. Vom Baum zum Möbelstück. Setzen Sie statt billiger Massenproduktion auf das traditionelle Tischlerhandwerk und auf Möbel aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Ökologische Möbel sind teurer in der Anschaffung, werden aber viele Generationen glücklich machen: der Schreibtisch aus Massivholz, der Küchenstuhl, der aus der Reihe tanzt, oder die geräumige Truhe im Eingang.

5. Beim Grillen möglichst heimische Holzkohle verwenden und auf Siegel achten. In jeder dritten Grillkohle steckt Tropenholz, stellte Stiftung Warentest fest.

6. Nutzen Sie Holzprodukte, um plastikfreier zu leben. Zum Beispiel mit Kochlöffeln aus Holz, hält oft länger und gibt keine ungesunden Stoffe ab. Auch Zahnbürsten gibt es aus Holz oder Bambus – mit Borsten aus nachwachsenden Rohstoffen.

> Weitere Tipps unter https://utopia.de/tag/holz/

Bauboom, Holzboom, Topseller

Holz ist begehrt wie nie. Die Preise steigen. Schadholz wird meist exportiert.

  • Im Jahr 2021 wurden in deutschen Wäldern 83 Mio. m3 Holz gefällt, ein weiterer Rekordwert. Damit stieg der Einschlag gegenüber 2020 um 3,2 Prozent.
  • Darunter sank der Kahlschlag aufgrund von Waldschäden, v.a. durch Insektenbefall, um 16 Prozent auf 50,5 Mio. m3, im Jahr 2020 waren es noch 60,1 Mio. m3 Schadholz.
  • Fichte ist weiter mit Abstand die bedeutendste Holzart. Sie macht zusammen mit „Tanne, Douglasie und sonstiges Nadelholz“ drei Viertel des gesamten Einschlags aus.
  • Der hohe Fichtenanteil wird laut Statistikamt mit dem Borkenkäfer begründet: Er soll 39,4 Mio. m3 Kahlschlag verursacht haben – dies entspricht knapp zwei Dritteln aller gefällten Fichten im Jahr 2021.

> https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/04/PD22_170_41.html

 

 
     
 

Umweltbriefe

Foto:
Kampagnenmotiv © BMWK

Krisenfester werden wir auf Dauer so:

Energiespar-Kampagne
Werden Sie Effizienzexperte!

Gemeinsam mit einer Allianz aus Umweltschutz- und Wirtschaftsverbänden sowie kommunalen Spitzenverbänden hat Klimaschutzminister Robert Habeck zum Energiesparen aufgerufen. „80 Millionen gemeinsam für Energiewechsel“ nennt der Grünen-Politiker seinen Aufruf, dabei mitzumachen.

Mit dieser bundesweiten Kampagne, die unter anderem dazu auffordert, die Heizung runterzudrehen, das Auto stehen zu lassen oder beim Duschen weniger Wasser zu verbrauchen, möchte die Bundesregierung die Energieabhängigkeit von Russland überwinden und die Energiewende beschleunigen. Angesichts gestiegener Energiepreise gehen die Deutschen aber ohnehin schon bewusster mit Energie um, wie eine Umfrage des BDEW zeigt. Demnach haben 77 Prozent der Befragten bereits versucht, beim Heizen oder Warmwasserverbrauch Energie einzusparen. Nur jeder Fünfte habe angegeben, sich nicht anders als sonst zu verhalten.
Dabei ist Energiesparen kurzfristig in der Tat die beste Maßnahme gegen steigende Preise. Das Umweltbundesamt (UBA) bietet fünf Soforttipps, mit denen Sie „im Schnitt durchaus 500 Euro und mehr pro Person und Jahr einsparen können“. Allein mit einem Sparduschkopf sollen 100 bis 200 Euro weniger an Warmwasserkosten pro Person und Jahr drin sein. Weitere 100 Euro bleiben im Geldbeutel für anderes übrig, wenn der Einkauf mit dem Rad statt mit dem Auto erledigt wird. Und wer seine Wohnung noch mit Halogenlampen erhellt und die nun gegen LED-Leuchten austauscht, spart pro Lampe noch mal 10 Euro pro Jahr Stromkosten. Auch kluges Einkaufen, richtiges Lagern und rechtzeitige Resteverwertung hilft, bares Geld zu sparen. Denn „rund 70 Euro werfen wir jedes Jahr in Deutschland pro Person in Form von vermeidbaren Lebensmittelabfällen weg“, weiß die umweltfreundliche Ratgeberbehörde. Und zu guter Letzt empfiehlt das UBA, einfach die Solltemperatur der Heizungsanlage um ein Grad zu senken, schon seien „rund sechs Prozent der Heizkosten“ eingespart.
Insbesondere mit Blick auf den kommenden Winter gelte es, keine Zeit zu verlieren, drängt die Deutsche Energie-Agentur. „Jede Kilowattstunde Gas, die wir jetzt nicht verbrauchen, könnte eingespeichert werden“, begrüßt auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) die Kampagne. Dessen Mitglieder, mehr als 1 500 Stadtwerke, seien schließlich „das Scharnier“ zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern vor Ort und sollten ihre Kunden fürs Energiesparen sensibilisieren. „In den vergangenen Jahren“, sagt der Oberbürgermeister der Stadt Mainz und VKU-Präsident, Michael Ebling, „hat die Energieeffizienz leider zu Unrecht in der öffentlichen Diskussion um die Energiewende ein Schattendasein gefristet.“ Das soll nun anders werden.

von Tim Bartels

> https://www.energiewechsel.de/
> https://www.ganz-einfach-energiesparen.de/
> Gute kommunale Beispiele: https://www.landkreistag.de/themen/energie-und-klimaschutz

Krisenfester werden wir auf Dauer so:

1. Energielabel auf Dunkelgrün stellen. Ob Kühlschrank oder Spülmaschine: Achten Sie beim Kauf auf das Energielabel und den Verbrauch. Wählen Sie die höchste verfügbare Effizienzkategorie. Damit können Sie über die Lebensdauer der Geräte viel Stromkosten einsparen. Falls Sie noch eine ältere Heizungsumwälzpumpe haben, lohnt sich oft ein vorzeitiger Austausch mit einer Hocheffizienzumwälzpumpe.

2. Ökostrom beziehen. Der Wechsel dauert weniger als 30 min. und ist ein Signal für den schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien. Achten Sie auf Label wie „Grüner Strom Label“ oder „Ok-Power“.

3. In Solarenergie investieren. Nutzen Sie als HausbesitzerIn Ihre Dachfläche für Photovoltaik oder Solarthermie. Je nach örtlichen Gegebenheiten können Sie auch als MieterIn ein kleines Balkon-Solarkraftwerk installieren. Unabhängig von eigenen Flächen gibt es finanzielle Beteiligungsangebote von z.B. (grünen) Banken und Energiegenossenschaften, wo Sie in den Ausbau von Solar- oder Windkraft investieren können.

4. Mit Dämmung den Heizbedarf verringern. Verringern Sie den Heizbedarf Ihres Hauses durch gute Wärmedämmung. Mittels eines staatlich geförderten individuellen Sanierungsfahrplanes schaffen Sie die Grundlage für eine langfristig kosteneffiziente Sanierungsstrategie.

5. Mit Wärmepumpe heizen. Mit Ökostrom betrieben sind die, verbunden mit entsprechenden Dämmstandards, die Heiztechnik für ein klimaneutrales Land.

6. Sprit sparen und Carsharing nutzen. Wenn Sie eher selten fahren, nutzen Sie Carsharing anstatt ein eigenes Fahrzeug anzuschaffen, das spart viele Kosten. Auch in immer mehr kleineren Städten gibt es inzwischen entsprechende Angebote. Achten Sie auf kraftstoffsparende Fahrweise und halten Sie sich an ein freiwilliges Tempolimit.

7. Beim Reisen am Boden bleiben. Flugreisen verursachen hohe Treibhausgasemissionen. Wählen Sie nähere Reiseziele, die auch ohne Flugzeug zu erreichen sind. Bevorzugen Sie allgemein umweltfreundlichere Verkehrsmittel oder Alternativen zu Präsenzveranstaltungen, wie Videokonferenzen.

> Weitere Tipps gibt das Umweltbundesamt unter https://www.umweltbundesamt.de/themen/ deutschland-krisenfester-nachhaltiger-machen

Bewusster Konsum geht so:

  • Die Herstellung von Produkten benötigt Energie und Rohstoffe. Daher sollten insbesondere langlebige Textilien, Möbel, ITund Haushaltsgeräte gekauft und diese auch möglichst lange genutzt werden.
  • Mehrwegverpackungen wie Flaschen, Gläser, Boxen und Becher für Getränke und Lebensmittel im Supermarkt und für Unterwegs sparen Energie und Rohstoffe.
  • Die korrekte Entsorgung hilft darüber hinaus, Energie einzusparen und wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen.
  • Probieren Sie aus, wie Sie auch mit weniger Konsum glücklich sein können. Das betrifft z. B. die Anzahl, aber auch die Größe von Geräten des Autos oder der Wohnung.

> www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag
 

 
       
 

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