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Ausgabe 01/15 15. Januar
 
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Boden gut machen

Die Vereinten Nationen haben 2015 zum Internationalen Jahr des Bodens ausgerufen. Damit will die UN-Generalversammlung die dünne haut der Erde nun endlich ins rechte Licht rücken. Ebenso wie der jährliche Tag des Bodens (am 5. Dezember) und hierzulande der „Boden des Jahres“ (bereits zum elften Mal) sollen nun auch die kommenden zwölf Monate dazu dienen, ein Bewusstsein für die Schutzwürdigkeit und gegen die Übernutzung unserer „Lebensgrundlage“ zu schaffen.

Daten und Fakten dazu liefert nun ein Bodenatlas, den die Heinrich-Böll-Stiftung, der BUND, das Potsdamer Institut für Nachhaltigkeitsstudien (IASS) und die Zeitschrift Le Monde Diplomatique jüngst herausgegeben haben. In dem Papier heißt es: „Jeder EU-Bürger verbraucht im Jahr durchschnittlich 1,3 ha Land, sechsmal so viel wie ein Einwohner von Bangladesch“. Dagegen kommt das Umweltbundesamt in seinem „Schwerpunkte 2014“-Band „nur“ auf 0,31 ha Ackerboden, den ein EU-Bürger benötigt (und findet auch das zuviel).

Das erscheint zunächst widersprüchlich, doch der Bodenatlas bildet nicht Äcker innerhalb der EU-Grenzen ab, sondern den „Land-Fußabdruck“ – also diejenige Menge, die nötig ist, um unseren Lebensstil zu gewährleisten, also auch Böden im Ausland für den Import von Nahrungs- und Futtermitteln – und kommt auf 640 Mio. ha pro Jahr, anderthalb Mal so viel wie alle 28 Mitgliedstaaten zusammen ausmachen. Das bedeutet: „Fast 60 Prozent der für den europäischen Konsum genutzten Flächen liegen außerhalb der EU“. Sechs der zehn größten „landimportierenden“ Staaten der Welt seien europäisch: Deutschland etwa importiere mehr als das Doppelte seiner eigenen Fläche.

Um unseren ressourcenintensiven und hohen Kosumstil zu halten, „belegen wir Land in anderen Ländern“, wie Böll-Stiftungsvorstand Barbara Unmüßig das formuliert. Aber nicht nur: Auch hierzulande ist der Flächenverbrauch mit 70 ha pro Tag ja noch immens – ungeachtet der Tatsache, dass es 1999 schon mal 129 ha waren (vgl. UB 08/01, S. 3). Dass die Bodennutzung für Siedlung und Verkehrsfläche in Deutschland binnen 15 Jahren stark abgenommen hat, sei „eher auf konjunkturelle Entwicklungen zurückzuführen“, sagt BUND-Vorsitzender Hubert Weiger: „Es ist nicht gelungen, den Boden in den Mittelpunkt der Umweltpolitik zu stellen.“ Der Boden finde nur in Festreden statt, aber nicht im praktischen handeln. Nicht zuletzt bedeute ja auch das nationale 30-Hektar-Ziel für 2020, dass dann immer noch Boden versiegelt werden dürfe.

„Nur wenn das Thema Boden für den Menschen relevant wird, wird es auch für die Politik aktionsfähig“, meint hingegen IASS-Direktor Klaus Töpfer. Der frühere Bundesumweltminister hofft nun, dass „dieser Atlas auch kontrovers diskutiert“ werde. Wird schon. In der Tat sieht sich nämlich der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) von der Bodenpublikation, in dem auch die Bioenergie eine Rolle spielt, bereits zu Unrecht an den Pranger gestellt. Insbesondere die „Koppelprodukte, die bei der Herstellung von Biodiesel und Bioethanol entstehen“, würden darin komplett ausgeblendet: Nur aus 40 Prozent des Rapssaats wird das Öl für den Biosprit gewonnen; der überwiegende Rest ist eiweißhaltiges Schrot, das als Futtermittel dient. Mit dem Anstieg der Biokraftstoffproduktion hierzulande konnten demnach auch die Anteile heimischer Futtermittel ausgebaut und Importe verringert werden“, sagt VDB-Chef Elmar Baumann: „Offensichtlich sind den Autoren die Grundzüge der Futtermittelproduktion nicht bekannt, sonst wären ihnen die Widersprüche in ihren Ausführungen aufgefallen.“

Trefflich streiten lässt sich darüber vom 19. bis 23. April dieses Jahres während der „Global Soil Week“. Die Veranstaltung findet zum dritten Mal in Berlin statt und diskutiert auf internationaler Ebene aktuelle Probleme des Bodenschutzes.

von Tim Bartels

> Der Bodenatlas 2015 steht für Sie zum Download bereit unter www.boell.de/de/bodenatlas oder kann als 50-seitiges Heft kostenlos (auch im Klassensatz) bestellt werden bei: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin, Fon 030/28534-0, Fax -109, info@boell.de
> www.biokraftstoffverband.de/index.php/detail/items/neuer-bodenatlas-mit-schwerwiegenden-fehleinschaetzungen-und-sachlichen-fehlern.html

   

 

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