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Ausgabe 02/13, 31. Januar
 
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Deutsches Umweltbewusstsein

Alle zwei Jahre lässt das Umweltbundesamt (UBA) ermitteln, wie stark das Thema Umwelt im öffentlichen Bewusstsein verankert ist. Unter den 2 000 Personen, die im Juli und August 2012 befragt wurden, nennen nun immerhin 35 Prozent spontan Umweltprobleme als wichtigste Herausforderung der Gegenwart – das ist ein Anstieg um erstaunliche 15 Prozent gegenüber 2010 und rangiert fast gleichauf mit Wirtschafts- und Finanzsorgen.

Diesen hohen Stellenwert des Umweltschutzes setzen offenbar auch immer mehr Deutsche in die Tat um – allerdings nicht sehr konsequent. Zwar beziehen mittlerweile mit zwanzig Prozent deutlich mehr der Befragten Ökostrom als noch 2010 (acht Prozent), investieren mit zwölf Prozent deutlich mehr in erneuerbare Energien (2010: vier Prozent) und kompensieren mit neun Prozent deutlich mehr ihre verursachten Klimagasemissionen (2010: drei Prozent). „Wir lesen das im Umweltbundesamt so“, sagte dessen Präsident Jochen Flasbarth bei der Vorstellung der Studie, „dass im Zuge der Energiewende, des Beschlusses, aus der Atomkraft auszusteigen nach Fukushima, auch sehr stark der Wunsch entstanden ist, das selbst mit zu unterstützen.“

Doch es gibt auch gegenläufige Entwicklungen, etwa die Bereitschaft zum Kauf energieeffizienter Geräte, die ist von 65 auf 52 Prozent zurückgegangen. Und das im Haushalt simple Ausschalten nicht mehr benutzter Geräte und Lichter halten nur noch 74 Prozent für nötig; 2010 waren das 83 Prozent. Zudem trennen „nur“ noch 77 Prozent der Deutschen ihren Müll; 2010 waren das noch weltmeisterliche 90 Prozent (dafür geben neuerdings aber auch 60 Prozent an, Abfall zu vermeiden). Und auch die Bedeutung des Umweltsiegels Blauer Engel hat – möglichweise wegen der grassierenden Flut weiterer Gütezeichen – abgenommen. (Flasbarth: „Das sehen wir mit Sorge“). Dafür hat Umweltminister Peter Altmaier eine Erklärung parat: „Das hat damit zu tun, dass die Umfrage stattfand, bevor die Debatte um die Energiewende und die Erhöhung der EEG-Umlage losging.“ Die in Gang gebracht zu haben, hält sich Altmaier zugute. Hätten demnach bei späterer Erhebung nicht so viele, nämlich 64 Prozent und damit zwei mehr als 2010, angegeben, dass die Regierung mehr für den Umweltschutz tun muss?

Dass die Bundesregierung nach Volkes Meinung noch mehr Umweltengagement zeigen sollte, „darf der Staat nicht als Bedrohung ansehen, sondern als Aufforderung, da nicht nachzulassen“, spornte UBA-Präsident Jochen Flasbarth seinen Dienstherren im Umweltministerium an – und auch sich selbst: „Auch wir im Amt müssen darüber offenbar noch mehr aufklären“, sagte er. Darüber, ganz selbstverständliche Dinge zu tun, wie etwa Steckerleisten aus- zuschalten und Geräte abzuschalten, wenn man sie nicht mehr benötigt. „Das sind keine Bagatellen, sondern damit lässt sich tatsächlich Energie einsparen“, betonte der UBA-Chef, „und letzlich kann man dadurch eben auch Kosten vermeiden.“

Denn der Haupttreiber, sein Alltagsverhalten überhaupt zu ändern, seien eindeutig die Kosten – und nicht Umweltbelange, so Flasbarth: „Man möchte Geld sparen.“ Geht es etwa um die Wahl der Verkehrsmittel, nutzen 69 Prozent der Befragten öffentliche, weil die preisgünstig seien. Doch dieses Argument spielt nur bei 24 Prozent der Autofahrer eine Rolle. Am häufigsten wurden unter denen „Bequemlichkeit“ und „Schnelligkeit“ genannt. Kein Wunder also, dass noch immer 59 Prozent der Befragten als Hauptverkehrsmittel das Auto angeben, nur knapp ein Viertel nutzt hauptsächlich Busse und Bahnen, nur jeder Zehnte nimmt das Fahrrad. Von der Elektromobilität haben schon zwei Drittel der Befragten mal gehört, von Carsharing knapp 40 Prozent. Unter denen gelten Teil-autos und Elektromobile zwar als umweltfreundliche Alternative, „stoßen aber noch nicht auf großes persönliches Interesse“.

Auch beim Lebensmitteleinkauf spielt der Preis weiterhin eine große Rolle. Bio ist nur für sechs Prozent der Deutschen ein wichtiges Kriterium, fair gehandelte Produkte für acht Prozent. „Rund ein Drittel der Befragten kauft nie Bio-Produkte, meistens aus dem Grund, dass sie für zu teuer gehalten werden, aber auch, weil die Befragten nicht von der Umweltfreundlichkeit der Produkte überzeugt sind oder der Bezeichnung Bio generell nicht trauen“, heißt es in der erstmals auch gut zu lesenden Studie. Und trotz aller Widersprüche, die sich in den Worten und Taten der Bürger ausdrücken, hat Flasbarth immerhin erfahren: „Es gibt viele Länder, die uns darum beneiden, dass die Bevölkerung in Deutschland ein so hohes Umweltbewusstsein hat.“

von Tim Bartels

> Die Studie Umweltbewusstsein in Deutschland 2012 (84 S.) steht für Sie als PDF-Download bereit unter www.uba.de/uba-info-medien/4396.html
 

 

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