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Ausgabe 02/13, 31. Januar
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Umweltbriefe

Gegen Etikettenschwindel helfen:

 

 

 

Lebensmittelkennzeichnung
Irreführende Vielfalt

Bundeverbraucherministerin Ilse Aigner führt ein neues bundesweites Kennzeichen für regionale Produkte ein: das Regionalfenster. Es wird derzeit in sechs Bundesländern getestet. Doch es scheint angesichts der Flut der Lebensmittelsiegel eher mehr Verwirrung zu stiften als mehr Transparenz zu schaffen.

von Tim Bartels

Bis April 2013 werden nach Angaben des Aigner-Ministeriums zunächst in zwanzig Geschäften in den Regionen Baden-Württemberg, Berlin/Brandenburg, Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen rund 150 Produkte mit dem Regionalfenster getestet, unter anderem Gemüse, Saft, Wurst, Brot und Milchprodukte. Grund für die neue Kennzeichnung ist eine repräsentative Umfrage, nach der es für 67 Prozent aller Verbraucher hierzulande wichtig sei, dass Lebensmittel aus einer bestimmten Region kommen.

„Wer als Kunde bereit ist, mehr zu zahlen, muss sich darauf verlassen können, auch mehr zu bekommen“, lässt die Bundesministerin verlauten. Das soll das Regionalfenster nun leisten. Doch handelt es sich dabei um eine freiwillige Kennzeichnung.

Und genau diese Unverbindlichkeit ist es, die von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch und den Grünen kritisiert wird. „Was nützt es“, sagt die grüne Sprecherin für ländliche Entwicklung, Cornelia Behm, „wenn der Kunde auf einen Blick Regionalität erkennen kann, während im selben Regal Produkte mit anderen Siegeln ebenfalls versprechen, regionaler Herkunft zu sein?“ Was nützt es, wenn der seit langem beklagte Etikettenschwindel nach wie vor erlaubt ist?

So wie beispielsweise der „Schwarzwälder Schinken“ seine regionale Spezialität nur vorgaukelt, weil, wie die Verbraucherschützer von Foodwatch wissen, „wichtige Produktionsschritte in Niedersachsen stattfinden und die Schweine überall, nur nicht im Schwarzwald gemästet werden“. Dieser Schinken erfüllt demnach die Kriterien des Regionalfensters nicht und würde also Aigners Regionalsiegel auch nicht erhalten. Und dennoch darf Schinkenkönig Jürgen Abraham weiterhin behaupten: „Die Herstellung dieses Traditionsschinkens erfolgt ausschließlich im Schwarzwald und unterliegt strengen regionalen Bestimmungen.“ Gegen diese offensichtliche Irreführung unternehme die Verbraucherschutzministerin nichts, moniert Foodwatch. Frau Aigner müsse diese Herkunftsschummelei durch klare Vorgaben stoppen.

Transparenz für Verbraucher geht anders. Regionalmarken seien nur dann vertrauenswürdig, sagt die Grüne Cornelia Behm, wenn sie einem überprüfbaren Standard entsprächen. Foodwatch fordert eine Pflicht für Hersteller, die Herkunftsländer der Hauptzutaten ihrer Produkte anzugeben. Mit regionaler Herkunft dürfe nur dann geworben werden, „wenn dies durch die tatsächliche Herkunft der Zutaten gedeckt ist und die Ursprungsregion (für Deutschland mindestens bundeslandgenau) für alle Zutaten angegeben wird“.

> Weitere Infos zum Regionalfenster finden Sie unter www.bmelv.de/regionalfenster; zu den Produkten und Teilnehmern unter www.regionalfenster.de
> http://foodwatch.de/kampagnen__themen/herkunftskennzeichnung/aktuelle_nachrichten/testlauf_fuer_regionalfenster/index_ger.html

Gegen Etikettenschwindel helfen:

1. Informationen vor Werbung. Die wichtigsten Informationen über ein Lebensmittel müssen groß, verständlich und für alle Hersteller einheitlich auf der Schauseite der Verpackung stehen. Sie dürfen nicht durch werbliche Verpackungsgestaltung in den Hintergrund gedrängt werden. Werbung darf den Produkteigenschaften nicht widersprechen.

2. Größere Schriften. Alle Produktinformationen müssen sichtbar und auch für ältere Menschen gut lesbar sein. Anstelle der EU-weit festgelegten 0,9 und 1,2 mm müssen – wie bei Büchern oder Zeitschriften üblich – wenigstens 2 mm als Mindestschriftgröße vorgegeben werden.

3. Ehrliche Abbildungen. Die Abbildung eines Lebensmittels auf der Verpackung muss natürlich dem tatsächlichen Produkt entsprechen. Geschönte Abbildungen müssen untersagt werden.

4. Verständliche Mengenangaben. Werden Zutaten eines Produktes in Bild oder Text hervorgehoben, muss der Hersteller in Prozent angeben, welchen Anteil diese Zutat im Produkt ausmacht. Die Angabe muss gut sichtbar bei der werblichen Hervorhebung erfolgen.

5. Herkunftskennzeichnungen. Hersteller müssen sich verpflichten, die Herkunftsländer der Hauptzutaten ihrer Produkte anzugeben. Mit „regional“ darf nur geworben werden, wenn dies durch die tatsächliche Herkunft der Zutaten gedeckt ist und die Ursprungsregion (für Deutschland mindestens bundeslandgenau) für alle Zutaten angegeben wird.

6. Angaben zur Tierhaltung. Die tiergerechte Haltung von Nutztieren ist gesetzlich sicherzustellen. Solange dies nicht gewährleistet ist, müssen die Hersteller von Tierprodukten auf der Verpackung über die Form der Tierhaltung informieren – Vorbild ist die Angabe der Haltungsform bei frischen Eiern.

7. Nährwertinfos. Schluss mit verwirrenden Größen: Kilokalorien und die Werte für Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz müssen auf der Schauseite von Verpackungen aufgeführt werden – einheitlich pro 100 Gramm oder 100 Milliliter. Anstelle des Natriumgehalts muss immer der Salzgehalt genannt werden.

> Weitere Punkte für ehrliche Etiketten unter www.foodwatch.de/15punkte

Das Regionalfenster …

… soll nach Angaben des BMELV ein reines „Deklarationsfeld“ sein – und eben kein zusätzliches Markenzeichen oder Siegel.

  • Es beinhaltet ausschließlich Aussagen zur Herkunft der eingesetzten landwirtschaftlichen Zutaten und zum Ort der Verarbeitung.
  • Wer die Kennzeichnung verwenden will, muss garantieren, dass vor allem die Hauptzutat zu 100 Prozent aus der klar definierten Region kommt.
  • Die Region kann nach Landkreisen oder Bundesländern abgegrenzt werden. Neben den Pflichtangaben haben die Hersteller die Möglichkeit, die Herkunft weiterer Zutaten oder auch der Futtermittel anzugeben.
     

 

 
 
 

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