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Ausgabe 06/12, 29. März
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Umweltbriefe

 

 

 

 

Lebensmittelverschwendung
Wirf Dein Essen nicht weg!

In deutschen Haushalten landen jährlich rund 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Knapp zwei Drittel davon, rund 65 Prozent, wären aber zumindest teilweise noch brauchbar. Das ergab eine Studie der Universität Stuttgart sowie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

von Tim Bartels

„Wir leben in einer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft“, sagt Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (Foto). In Deutschland werde viel zu viel weggeworfen, wertlos gemacht und vernichtet. Zu viele Lebensmittel landeten im Abfall, obwohl sie noch genießbar wären. Der Stuttgarter Studie nach sind das in Privathaushalten vor allem Obst und Gemüse. Sie machen 44 Prozent der dort anfallenden vermeidbaren Speiseabfälle aus.

Aigner macht dafür vor allem die Verbraucher verantwortlich, die das sogenannte Mindesthaltbarkeitsdatum missverstünden. „Der Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums“, behauptet die Ministerin, „wird vom Verbraucher oft so verstanden, dass ein Lebensmittel nicht mehr genießbar und daher wegzuwerfen ist.“ Das stimme aber oft nicht. Der Joghurt könne durchaus noch ein paar Tage länger halten. Auf Joghurt, klärt das Aignerministerium auf, „kann sich nach längerer Aufbewahrung eine dünne Wasserschicht bilden, die dadurch entsteht, dass sich Molke absetzt.“ Das sei gesundheitlich jedoch unbedenklich, in der Regel sei der Joghurt trotzdem noch genießbar. Anders als offenbar häufig praktiziert wird, ist das Mindesthaltbarkeitsdatum kein Wegwerfdatum, sondern gibt an, bis zu welchem Tag das Lebensmittel bei richtiger Handhabung und Lagerung seine spezifischen Produkteigenschaften behält. Die Folge: Auch über dieses Datum hinaus können Lebensmittel in vielen Fällen gegessen und auch getrunken werden.

Sei das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht oder überschritten, sollten die eigenen Sinne den Gütetest übernehmen, rät Frau Aigner: „Gucken, riechen und vorsichtiges Probieren geben in den meisten Fällen schnell Aufschluss darüber, ob das Lebensmittel noch genießbar ist.“

Pro Person würden jährlich Nahrungsmittel im Wert von 235 Euro weggeworfen, errechnete die Universität Stuttgart. Dass aber gerade auch Supermärkte Essware nicht mehr verkaufen, sondern wegwerfen, wenn sie das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, klagt die oberste Verbraucherschützerin des Landes nicht an. Das übernehmen dann die Mülltaucher beim sogenannten Containern, die sich damit auch gegen die Massen- und Überproduktion von Lebensmitteln wenden.

Auf die Idee, dass man doch die Mindesthaltbarkeit auch richtig und verständlich angeben oder immer ein konkretes Verbrauchsdatum nennen könnte, kommt die Ernährungsministerin freilich nicht. Besser findet Frau Aigner es, „Nachhilfestunden in der Deutung von Beamtenkauderwelsch“ zu geben, wie die Süddeutsche Zeitung das ausdrückt.

> Die Infos des Bundesverbraucherschutzministeriums zum Mindesthaltbarkeitsdatum stehen zum Download bereit unter www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Flyer-Poster/Flyer-MHD.html

1. Planvoll einkaufen. Überlegen Sie vor dem Einkauf, welche Lebensmittel noch vorhanden und nicht mehr lange haltbar sind. Kaufen Sie leicht Verderbliches erst kurz vor der geplanten Verwendung und nicht zu viel davon. Wer viel außer Haus isst, braucht weniger im Kühlschrank. Schreiben Sie einen Einkaufszettel. Kaufen Sie nach Möglichkeit nicht ein, wenn Sie hungrig sind.

2. Haltbarkeit prüfen. Achten Sie auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Häufig sind die Produkte auch noch nach dessen Ablauf ohne Gefahr genießbar und schmecken noch gut. Prüfen Sie das Produkt sorgfältig! Wenn klar ist, dass ein Lebensmittel noch am gleichen Tag auf den Esstisch kommt, braucht es kein allzu fernes Mindesthaltbarkeitsdatum. Hingegen tragen eingige Produkte ein Verbrauchsdatum („zu verbrauchen bis …“), etwa Rohmilch, Hackfleisch, Hühnerfleisch oder Fisch. Diese Produkte sollten nach Ablauf des angegebenen Datums nicht mehr verzehrt werden.

3. Passende Mengen kaufen. Der Kauf einer Großpackung lohnt nicht, wenn ein Teil später im Müll landet. Lassen Sie sich nicht von der Packungsgröße verleiten, sondern achten Sie auch auf die Angabe des Grundpreises. Diese Angabe steht auf dem Preisetikett und/oder am Regal.

4. Vorräte richtig lagern. Achten Sie darauf, ob das Lebensmittel gekühlt oder zum Beispiel im Dunkeln gelagert werden soll. Bei leicht verderblichen Lebensmitteln wie Fisch oder Fleisch sollte die Kühlkette nicht unterbrochen werden. Einige Obst- und Gemüsesorten sollten nicht zusammen gelagert werden. Lagern Sie Beeren und frische Kräuter im Kühlschrank. Kontrollieren Sie Ihre Lebensmittelvorräte regelmäßig (auch in der Kühltruhe). Generell gilt: Auch im Kühlschrank sind Lebensmittel nur begrenzt haltbar.

5. Reste weiterverwenden. Verwenden Sie Reste weiter, um Abfälle zu vermeiden. Die Resteküche spart Zeit und Geld. Kochen Sie kreativ und denken Sie sich neue Rezeptkombinationen aus. Spezielle Kochbücher zur Resteverwendung geben hilfreiche Anregungen.

> www.jedesmahlwertvoll.de

 

 
 
 

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