UmweltBriefe -<wbr> Aus Kommunen und Forschung
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Ausgabe Juni 2017
 
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Bemerkelnswert

Die Bundesregierung hat die Agenda 2030 der UN, die Nachhaltigkeitsziele (SDGs), in ihre nationale Strategie mit eingebaut. Das Statistische Bundesamt macht die Fort- oder Rückschritte durch Wettersymbole deutlich: von Blitz und Donner, über Wolken, bis zur Sonne, je nachdem wie sich die Indikatoren entwickeln. An denen bemerke sie, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Konferenz ihres Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE), „dass die Spielräume für meine Rede geschrumpft sind. Denn nun haben wir sozusagen ein festes Rahmenwerk, zu dem ich hier Rede und Antwort stehen muss.“ Das tat Merkel bei der zwölften Auflage ihres halbstündigen Vortrags natürlich nur bruchstückhaft. Die Sonne, strahlte sie, „lacht immerhin über mehr als 20 Indikatoren“. Dazu zählt die Rohstoffproduktivität, die von 2000 bis 2015 im Jahresdurchschnitt um anderthalb Prozent zugenommen habe. Diesen Trend gelte es bis 2030 fortzuschreiben, so Merkel. Sie räumte ein, bei weiteren 20 Indikatoren bisher nur dunkle Wolken zu erreichen „und das Nachhaltigkeitsbarometer bei neun sogar auf Gewitter zeigt“. Zum Beispiel bei der Adipositas-Quote, dem Nitratanteil im Grundwasser, dem Energieverbrauch im Güter- und Personenverkehr, beim bezahlbaren Wohnraum, den CO2-Emissionen des Konsums, der Artenvielfalt und Landschaftsqualität sowie bei der Kriminalität. Diese Negativtrends seien „ein klarer Handlungsauftrag“, sagte Merkel. Um in Sachen Nachhaltigkeit voranzukommen, betonte sie, brauche man aber auch die Länder und die Kommunen.

Unter den 17 SDGs werden die Kommunen im Ziel 11 direkt adressiert: Städte und Siedlungen seien inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig zu gestalten, heißt es da. Und smart sollen sie auch noch sein. Geht das alles zugleich? Soviel scheint klar: Das Modewort Smart City wird unter Kommunalvertretern eher skeptisch gesehen. „Wir verwalten immobile Dinge, also eigentlich das Gegenteil von smart“, sagte die Gebäudetechnikprofessorin und Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), Lamia Messari-Becker. „Unser Ziel sollte sein, Wohnen, Arbeit und Gewerbe im kleinen Bereich zusammenzubringen.“ Die Stadt von morgen sei heute schon gebaut, sagte die Bauingenierin: „Die Zukunft liegt im Bestand.“ Darin müsse man die neuen smarten Techniken integrieren und dabei die Lebensqualität der Menschen verbessern. Man könne dazu ja auch „digitale Medien“ sagen, die eine Stadt nutzt, bemerkte Stuttgarts Alt-Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Das RNE-Mitglied findet es viel wichtiger, die Bürger dabei mitzunehmen, sich digital zu bilden. Außerdem, so Schuster, sollten Kommunen „über ihren eigenen Kirchturm hinausschauen und beispielsweise Städtepartnerschaften bilden“. Digitalisierung könne dazu führen, dass interkommunale Gebietskörperschaften besser funktionierten.

Doch wie misst man die Entwicklung in den Städten und Gemeinden? Ein Monitoring der Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene hat sich die Bertelsmann-Stiftung zur Aufgabe gemacht. Kommunen, sagt Monitor-Leiter Oliver Haubner, sollen sich Fragen beantworten können wie: „Was macht denn meine Kilometerzahl an Radwegen?“ Neben solchen Indikatoren werden zudem die Kreise und Gemeinden mit mehr als 5 000 Einwohnern regelmäßig befragt, um „Einblicke in die Prozesse des Nachhaltigkeitsmanagements“ zu bekommen. 90 Prozent aller Verwaltungschefs sei das Thema wichtig, aber nur sechs Prozent würden das auch messen, sagt Haubner: „Wenn wir es in den Kommunen nicht schaffen, wird es eng, wir haben nur noch 13 Jahre.“ Für Kanzlerin Merkel sind es „weniger als 5 000 Tage“, wie sie in ihrer Rede betonte: „Jeder Tag zählt.

von Tim Bartels

> Wortlaut der Kanzlerin am 29. Mai in Berlin: www.bundeskanzlerin.de/Content/DE/Rede/2017/05/2017-05-29-rede-bk-nachhaltige-entwicklung.html
> Infos zu den RNE-Jahreskonferenzen von 2002 bis 2017 finden Sie unter www.nachhaltigkeitsrat.de/jahreskonferenz/jahreskonferenzen-2017-2001/
> Die
Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, Neuauflage 2016 steht für Sie zum Download bereit unter www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/Nachhaltigkeit-wiederhergestellt/2017-01-11-nachhaltigkeitsstrategie.pdf
> www.monitor-nachhaltige-kommune.de
  

 

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