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Ausgabe Juni 2017
Bürgerinfo
 
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Umweltbriefe

Foto: Sabine Weiße/pixelio.de
Foto: Jag_cz/Fotolia.com

Neun leise Tipps

Motorradlärm
Gegen das rollende Roarrr

Ist Motorradlärm nur eine Lappalie? Sind die unter rasenden Bikern leidenden Anwohner nur eine winzige Minderheit? Immerhin „konzentriert sich Motorradlärm im Gegensatz zu vielen anderen Lärmarten (Rasenmäher, LKW) auf die Erholungszeiten, oft gerade auf die Samstage, Sonntage und die Abendstunden, und ist deshalb besonders lästig“, argumentiert der Vereinigte Arbeitskreis gegen Motorradlärm (VAGM). Diese Randerscheinung mag in der Breite vielleicht nicht ins Gewicht fallen, sagen die Betroffenen. Doch an der Schwarzwaldhochstraße, an der Idyllischen Straße im Schwäbisch-Fränkischen Wald, im Harz oder im Weserbergland und an vielen anderen Strecken „artet Motorradlärm in Lärmterror aus“. Nun führen leidenschaftliche Kradfahrer und lederliebende Biker ins Feld, dass ihre knatternden Zweiräder im Vergleich zu früher doch bereits viel leiser geworden seien. „Das stimmt aber nur auf dem Papier“, meint der VAGM. Tatsächlich hätten „Auspuffklappen, Motormanagement und überbordende Leistungszuwächse (Drehzahlen, PS) massive Auswirkungen auf die Lärmentwicklung“. Zudem seien heute viel mehr Motorräder unterwegs als noch in den 70er Jahren.

von Tim Bartels

Vernünftige Tourenfahrer beschweren sich aber über das Pauschalurteil gegen ihre Zunft. Krafträder müssen nämlich nicht zwangsläufig lärmend sein. Von einem Drittel zu lauter Motorräder gehen die europäische Herstellervereinigung ACEM, das Umweltbundesamt und die Polizei aus. Verantwortlich fürs Kradgeknatter, so der VAGM, seien oft spezielle Zubehörauspuffe. Diese im Handel erhältlichen Bauteile verfügten zwar über eine Betriebserlaubnis aus einem anderen EU-Land, seien aber zumeist lauter, als es die Grenzwerte und die Zulassung für den deutschen Straßenverkehr erlaubten.

Seit 2016 gibt es eine neue EU-weite Regelung. Damit wurde der Geschwindigkeitsbereich, in dem Motorräder Geräuschgrenzen einhalten müssen, erweitert. Doch dem VAGM ist der Kontrollbereich noch immer zu klein. Zudem sieht die neue Verordnung eine Lösung für effektivere Lärmmessungen der Polizei nicht vor. Hochtourige Fahrweisen, Auspuffklappen und höhere Geschwindigkeiten wurden nicht berücksichtigt.

Das baden-württembergische Verkehrsministerium will nun mit Hinweisschildern vor Ortschaften zumindest ans soziale Gewissen der Motorradfahrer appellieren. Diese neuen Anlagen bestehen aus einem Display für die Textanzeige und einem davor in die Leitpfosten integrierten Gerät zur Lärmmessung. Erkennt es ein Motorrad, das mit überhöhter Lautstärke auf das Display zufährt, erscheint dort die leuchtende Ermahnung „Leiser!“ oder „Langsam!“. Ein erstes Modell prüfte das Land in der Schwarzwaldgemeinde Todtmoos, ein zweites kam an der B 39 im Kreis Heilbronn dazu. „In Todtmoos konnte eine deutliche Absenkung der mittleren Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Motorräder und der Anzahl der besonders hohen Schallpegel beobachtet werden“, ließ Verkehrsminister Winfried Hermann nach dem Test verlauten.

> www.motorradlaerm.de
> Anno 2010 ging in Berlin das Verbraucherforum Motorradlärm über die Bühne. Mehr dazu unter https://www.umweltbundesamt.de/service/termine/verbraucherforum-motorradlaerm

Neun leise Tipps

1. Lärm ist nicht gleich Lärm. Geräusche erscheinen uns lauter, wenn die Schallquelle direkt sichtbar ist. Vermeidbarer Krach stört besonders. Wenn Sie sich durch Lärm gestört fühlen, reden Sie zuerst möglichst sachlich mit dem Verursacher.

2. Das Lärmschutzrecht ist komplex. Für verschiedene Lärmarten existieren unterschiedliche Beurteilungsverfahren mit eigenen Grenz- und Richtwerten. Oft ist das Umweltamt Ihres Stadt- oder Landkreises der richtige Ansprechpartner.

3. Wir alle sind Lärmproduzenten, und fast immer gibt es Zwangshörer. Hier hilft nur gegenseitige Rücksichtnahme und ein respektvoller Umgang miteinander!

4. Gönnen Sie Ihrem Gehör eine Pause. Damit sich die Ohren nach lauter Arbeit oder einem Diskobesuch erholen können, sollte der Schallpegel während mindestens 10 Stunden nicht über 70 dB(A) steigen.

5. Achten Sie auf die ersten Zeichen von Hörschwäche. Wenn sich Nachbarn über laute Musik beschweren oder die Gesprächspartner alle so leise reden, ist es höchste Zeit, zum HNO-Arzt zu gehen. Gehörschwund lässt sich mit dem Audiometer oder durch Sprachtests feststellen.

6. Fahren Sie weniger und gleichmäßiger. So lautet die Zauberformel für lärmbewusste Auto- und Kradfahrer: Im Stadtverkehr ist das Fahrrad bis fünf Kilometer das schnellste und selbstverständlich auch ruhigste Verkehrsmittel.

7. Schalten Sie schnell hoch. Niedertourige Fahrweise in einem höheren Gang ist viel leiser. Verzichten Sie auf unnötiges Beschleunigen. Ob Auto oder Motorrad: Jeder kann auf diese Weise helfen, weniger Lärm zu produzieren.

8. Kaufen Sie leise Reifen. . Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag für den Lärmschutz. Beachten Sie daher beim Kauf die Angaben auf dem Reifenlabel.

9. Pflegen Sie eine moderate und unauffällige Fahrweise. Wenn Sie das als Motorradfahrer beherzigen, sind Lärmkonflikte kaum zu erwarten.

> Die Broschüre Psst! – Informationen zum Thema Lärm (36 S.) erhalten Sie kostenlos als PDF unter www.lubw.de/servlet/is/11087

Motorräder können nerven

In der subjektiven Wahrnehmung leisten Motorräder einen höheren Lärmbeitrag als es ihrem Verkehrsanteil entspricht (< 2 Prozent). Bei normaler Fahrweise und Geschwindigkeit sind Motorräder nicht lauter als PKW.

  • Der Lärmterror hat seine Ursache im schnellen Pegelanstieg bei der Beschleunigung – bis zu 15 dB(A) in wenigen Sekunden.
  • Daneben nervt das Aufheulen des Motors, also die drehzahlabhängige rasche Frequenzänderung des Antriebsgeräusches.
  • Das Motorrad wird dann als aggressiv oder gar als bedrohlich empfunden. Das gilt vor allem in landschaftlich reizvollen Gebieten mit beliebten Motorradstrecken, aber auch in Ortsdurchfahrten.
     
 
         
 
 

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