UmweltBriefe - Nachhaltiges Handeln in Kommunen
HOME AKTUELL ARCHIV SUCHEN UEBER UNS IMPRESSUM PROBEABO MEDIADATEN
Ausgabe Juli/August 2021
 
Titel
Merk-Wuerdiges
Kommunen und Regionen
Aus Unternehmen und Forschung
Best Practice
Hintergrund
Interview
EU-Politik
Abfall
Best Practice
Immissionsschutz
Energie
Klima
Mobilität
Bauen
Naturschutz
Publikationen
Bürgerinfo
 
  Umweltbriefe

Wappnen gegen Wasserknappheit

Sauberes Wasser jederzeit in hochwertiger Qualität, „daran haben wir uns zu sehr gewöhnt“, sagt Karsten Specht. Nun müssen wir umdenken, meint der Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Denn die vergangenen drei Trockenjahre hierzulande haben nicht nur gezeigt, wie kostbar unser kühles Nass ist, sondern auch, dass es regional knapp werden kann. Zum Beispiel in Simmern-Rheinböllen im Hunsrück, in Lauenau in Niedersachsen sowie im unterfränkischen Remlingen. Dort ist es im Sommer 2020 zu Engpässen bei der Wasserversorgung gekommen. Die drei Kommunen nannte Bundesumweltministerin Svenja Schulze bei der Vorstellung ihres Entwurfs einer nationalen Wasserstrategie.
„Auch in dreißig Jahren soll es in Deutschland jederzeit und überall ausreichend qualitativ hochwertiges und bezahlbares Trinkwasser geben“, gab Schulze als Kernziel ihrer Strategie aus. „Landwirtschaft und Städte sollen Teil der Lösung sein.“ Mit der Land- und der Forstwirtschaft will das Umweltministerium ein „Leitbild für gewässerschonende Landnutzung“ erarbeiten. Auch Kommunen sollen „wassersensibel“ werden. Gemeint sind damit grüne „Schwammstädte“ mit vielen unversiegelten Flächen, auf denen Wasser versickern kann und bei Hitze für Abkühlung sorgt. Bei Starkregen kommt es nicht zur Überschwemmung, der Grundwasserspiegel bleibt stabil. So die Vision.
Klären will Schulze nun, wie wir Wasserknappheit vorbeugen und Nutzungskonflikte vermeiden können. In ihrem Entwurf sind zehn qualitative Forderungen – u.a. Bewusstsein schaffen, Wasserinfrastruktur entwickeln, Stoffeinträge begrenzen, naturnahen Wasserhaushalt wiederherstellen, Verwaltungen stärken, Datenlage verbessern – unterlegt mit einem 57-Maßnahmen-Programm.
Unter No. 32 heißt es: „Es werden Regeln und Kriterien für Prioritäten bei den Wassernutzungen für künftig zu erwartende regionale Wasserknappheiten (Wassernutzungshierarchien) erarbeitet. Dabei werden die besondere Bedeutung der Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser sowie die ökologischen Wasserbedarfe berücksichtigt.“ Der Durst aller Lebewesen soll also Vorrang haben z.B. vor dem Waschen der Autos, dem Abspritzen von Vorplätzen, dem Befüllen von Swimming-Pools oder der Bewässerung von Rasenflächen. Grundsätzlich gehe die lokale Versorgung vor, sagt Schulze.
„Wir werden mit Kommunen und Ländern die ortsnahe Wasserversorgung ertüchtigen.“ Wassersparen sei aber auf jeden Fall sinnvoll. Verbraucher könnten z.B. auch durch geringere Tarife Anreize bekommen, Wasser dann zu verbrauchen, wenn es nicht so stark nachgefragt wird (s. UB Mrz´21, S. 11). Unternehmen, die Gewässer verschmutzen, sollen an der Beseitigung der Schadstoffe beteiligt werden, etwa indem sie die vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen mitfinanzieren.
Die Wasserstrategie wird von Verbänden wie dem VKU und der DUH begrüßt. Entscheidend sei, so der BDEW, dass nun schnell umgesetzt werde. Weil aber bis zur Bundestagswahl keine einzige Maßnahme mehr auf den Weg komme, hält die Bundestags-Grüne Bettina Hoffmann die Strategie der SPD-Ministerin für eine „Shownummer“. Der Strategie fehle eine überzeugende Finanzierung. Schulze nannte als „neue Hilfe des Bundes“ 1 Mrd. Euro über zehn Jahre. Dies ist aber tatsächlich nur ein Vorschlag des BMU, denn das 76-seitige Papier, wie die Umweltministerin einräumt, sei noch „nicht innerhalb der Regierung abgestimmt“

von Tim Bartels

> Die Nationale Wasserstrategie steht als Lang- und als Kurzfassung zum Download bereit unter https://www.bmu.de/download/2717/
 

 

© 2021 Walhalla u. Praetoria Verlag GmbH & Co. KG | Impressum | Datenschutzerklärung