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Ausgabe August 2018
 
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Bio ... was? … diversität. Was ist das?

In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Deutschen, die von Biodiversität schon mal gehört haben, von 29 Prozent auf 53 Prozent gestiegen. Das ergab eine Umfrage der Union for Ethical Bio-Trade (UEBT), eines gemeinnützigen Vereins, der die ethische Beschaffung fördert. Genau erklären konnten den Begriff 25 Prozent, 2009 waren das nur 13 Prozent. Die internationale Stidftung Global Nature Fund (GNF), die mit der UEBT zusammenarbeitet, schlussfolgert daraus, dass das Bewusstsein für Biodiversität in Deutschland stetig wachse. Ja mehr noch, „laut Biodiversity Barometer hat die deutsche Bevölkerung einen starken persönlichen Bezug zu Biodiversität“. Denn 71 Prozent der 1 000 Befragten seien sich sicher, dass es „sie persönlich betrifft“, wenn die Biologische Vielfalt verschwindet.

Etwas differenzierter sehen da die Ergebnisse der Naturbewusstseinsstudie aus, für die seit 2009 alle zwei Jahre 2 065 Personen in Deutschland ab 18 Jahren befragt werden. Danach wissen aktuell 42 Prozent, was Biologische Vielfalt bedeutet. 2009 waren das auch schon 44 Prozent. Hier ist also Stagnation Trumpf. Oder gar ein Abwärtstrend? „Das Bewusstsein für biologische Vielfalt hängt stark von der sozialen Lage und vom Alter ab“, sagt Beate Jessel. Zwar äußerten sozial Schwächere kein so ausgeprägtes Naturbewusstsein, so die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), dafür verbrauchten sie aber viel weniger Ressourcen. Doch auch junge Menschen im Alter von 18 bis 29, gleich ob sie besser oder schlechter bestallt sind, seien deutlich weniger sensibilisiert für die Natur.

Diesen „Bruch der Generation“ müsse man bewältigen, sagt die BfN-Präsidentin. „Um die jüngere Generation als zukünftige Verantwortliche für Naturschutzbelange stärker zu aktivieren, müssen wir vermehrt mit jungen Erwachsenen in den Dialog treten und deren Interessen und Ideen in den politischen Diskurs einbeziehen“, schreibt Beate Jessel in ihrem Vorwort zur Studie.

Erstmals hat die Erhebung zum Naturbewusstsein auch die Einstellung der Deutschen zum Meeresnaturschutz abgefragt. „Wir sehen starke Signale für eine schärfere Meeresnaturschutzpolitik“, sagte Jessel bei der Vorstellung der Studie gemeinsam mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Danach befürworten 94 Prozent der Befragten Naturschutzgebiete in Nord- und Ostsee. Zudem sprechen sich 83 Prozent für strengere Regeln und Gesetze aus, damit die Fischerei mehr für den Naturschutz tut – selbst wenn dadurch die Fischpreise stiegen. 92 Prozent möchten sich darauf verlassen können, dass der Handel keine Fischprodukte bedrohter Arten anbietet, 90 Prozent befürworten die Kennzeichnung „aus naturschonender Fischerei“.

Unter den wahrgenommenen Gefährdungsursachen steht Plastikmüll an erster Stelle: 78 Prozent sehen darin ein „sehr großes Problem“. Größer als die Verschmutzung mit Erdöl (71 Prozent), mit radioaktiven Abfällen (66) oder mit Düngemitteln (60). Die Überfischung der Meere sehen nur 55 Prozent als „sehr großes Problem“ an.

Das Thema Plastikmüll habe an Fahrt gewonnen, sagte Schulze. Die Bilder vom Plastikstrudel im Ozean und von verendeten Seevögeln, deren Mägen Plastikmüll aufwiesen, habe jeder vor Augen. „Wir müssen daher weltweit überflüssiges Plastik vermeiden und den Rest im Kreislauf halten und recyceln“, verlautbart die Umweltministerin.

Weniger bekannt, weil eben kaum sichtbar, sagt Schulze, sei das Problem von Mikroplastik, das durch Waschen synthetischer Kleidung, aus Kosmetika und Duschgels sowie aus dem Abrieb von Reifen in die Gewässer und im Meer landet und sich über die Nahrungskette ausbreitet. „Mikroplastik in Kosmetika muss auf europäischer Ebene verboten werden“, so Schulze. In Großbritannien sei das bereits der Fall. „Aber wir sollten das nicht im Alleingang machen.“

Auch Jessel hat ein Thema parat, das ihrer Auffassung nach „zu wenig Aufmerksamkeit bekommt: eine naturverträgliche und nachhaltige Landwirtschaft“. Es soll, schimpft die BfN-Chefin, massiv gekürzt werden in der 2. Säule des EU-Agrartopfes, aus dem Agrar-umweltmaßnahmen gefördert werden. Das sei viel zu wenig im Bewusstsein. „Und da sind Sie auch als Journalist gefragt“, sagte Jessel vor der versammelten Hauptstadtpresse. Zumindest über den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft sind sich die Deutschen im Klaren: So sprechen sich 79 Prozent der Befragten für ein Verbot aus. 93 Prozent sind der Meinung, dass mögliche Auswirkungen auf die Natur immer untersucht werden sollten, wenn Pflanzen gezielt gentechnisch verändert werden (s. auch unseren Beitrag zum EuGH-Urteil auf S. 10). Ebenso sprechen sich 93 Prozent der Befragten dafür aus, Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch veränderter Nahrung gefüttert werden, im Handel zu kennzeichnen.

von Tim Bartels

> Die Naturbewusstseinsstudie 2017 steht zum Download bereit unter www.bfn.de/themen/gesellschaft/naturbewusstsein/studie-2017.html
> Die Ergebnisse des Biodiversity-Barometers der Union for Ethical BioTrade (UEBT) lesen Sie unter www.biodiversitybarometer.org
 

 

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