UmweltBriefe -<wbr> Aus Kommunen und Forschung
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Ausgabe 13/13, 4. Juli
 
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Alle Jahre wieder

Zur Bewältigung der aktuellen Hochwasserschäden an Elbe und Donau wollen Bund und Länder acht Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Viel Geld, das auch in den vorsorgenden Schutz hätte investiert werden können. „Wir brauchen eine kluge Kombination aus Deichen, zurückgewonnenen Flussauen und zusätzlichen Überschwemmungsflächen.“ So stellt sich Bundesumweltminister Peter Altmaier idealerweise Hochwasserschutz vor. Und da wird ihm auch kaum jemand widersprechen. Allerdings haben die Länder und Kommunen seit der Jahrhundertflut von 2002 vor allem Deiche saniert und Schutzwände errichtet. Neue Fluträume wurden dagegen kaum geschaffen. In den technischen Hochwasserschutz, also für Betonmauern, Spundwände und Deiche, wurde laut dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) allein in Sachsen seit 2002 mehr als eine halbe Milliarde Euro investiert. Bis 2020 sei dafür eine weitere Milliarde geplant. Deiche vermittelten nun mal ein Gefühl der Sicherheit. Deshalb stützt man sich mehr und mehr allein darauf. Doch „wenn die Mauer bricht oder überflutet wird, dann sind die Schäden anschließend umso größer“, sagt Christian Kuhlicke vom UFZ. Es greife daher zu kurz, allein auf den technischen Schutz zu setzen, sagt der Sozialgeograph, der die Folgen des Mulde-Hochwassers in Eilenburg und Grimma analysiert hat.

Neben dem Aus- und Neubau von Deichen hält Bundeskanzlerin Angela Merkel auch „großräumige Rücklaufgebiete“ für notwendig. Bloß, getan hat sich da in den vergangenen zehn Jahren sehr wenig. Tatsächlich seien Deichrückverlegungen, die den Fluss mehr Raum lassen, und das Anlegen von Flutungspoldern auch „sehr zeit- und ressourcenaufwendig“, sagt UFZ-Auenexperte Mathias Scholz. Der Grund: Die Verfügbarkeit der Überflutungsfläche muss geklärt werden und Nutzungsänderungen sind insbesondere mit der Landwirtschaft abzustimmen. Die Folge: „Von der Idee bis zur Realisierung vergehen häufig fünfzehn bis zwanzig Jahre“, sagt Scholz.

Setzte man alle geplanten und angedachten Rückdeichungsmaßnahmen an der Elbe in die Tat um, dann, so hat es UFZ-Forscher Scholz errechnet, „würden sich die Wassermassen auf über 23 000 Hektar zusätzlich verteilen können, was rund ein Drittel mehr Fläche wäre“. An der Elbe sind aber erst 700 ha realisiert: zwei Deichrückverlegungen im brandenburgischen Lenzen (420 ha) und im sachsen-anhaltinischen Oberluch bei Roßlau (140 ha) sowie zwei Rückdeichungen im niedersächsischen Amt Neuhaus (120 ha) und in Sachsen-Anhalt bei der Lutherstadt Wittenberg (20 ha). Weitere 2 600 ha seien in der konkreten Planung, sagt Scholz. Beispielsweise die Rückdeichung bei Lödderitz nahe Dessau, die 600 ha Überschwemmungsfläche schaffen wird – allerdings erst im Jahr 2018.

Ob das noch reicht bis zur nächsten Hochwasserkatastrophe? Schließlich sei damit zu rechnen, dass extreme Wetterereignisse zunehmen, warnte die rheinland-pfälzische SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer kürzlich im Bundestag. Sie fordert einen nationalen Pakt für den Hochwasserschutz. Dass sich Bund und Länder zusammentun müssten, betonte auch die Spitzenkandidatin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt: „Wir brauchen ein radikales Umdenken beim Hochwasserschutz“, forderte sie. Doch wenig Hoffnung hat da der Leiter des WWF-Auen-Instituts, Emil Dister. „Es wird sich nicht viel tun“, sagte er im Interview mit der ZEIT. „Dafür müsste es innerhalb sehr kurzer Zeit zwei- oder dreimal eine Hochwasserkatastrophe geben.“

von Tim Bartels

> Das Standpunktepapier des UFZ als PDF unter www.ufz.de/export/data/global/49708_standpunkt_nachhaltige_hochwasservorsorge.pdf
> Der Bericht der Bundesanstalt für Gewässerkunde, Das Juni-Hochwasser des Jahres 2013 in Deutschland, steht online bereit unter www.bafg.de/DE/Service/presse/2013_06_26.html
> Entwurf für ein Ausbauhilfegesetz: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/140/1714078.pdf
 

 

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