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Ausgabe 15-16/13, 01. August
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Umweltbriefe

Das sollten Sie einfordern:

Online-Anzeige bei Verbrauchertäuschung
Nicht drin, was drauf steht

Seit zwei Jahren können sich Verbraucher im Internet über Lebensmittelprodukte, die sie in die Irre führten, beschweren. Und sie tun das zahlreich. Die große Resonanz auf die Plattform zeigt, wie weit verbreitet es unter Herstellern ist, auf der Verpackung ihrer Produkte etwas zu versprechen, was nicht drin ist. Das Portal Lebensmittelklarheit.de hat sich zu einem wichtigen Warnsystem entwickelt und gibt den Verbrauchern eine Stimme. Die Politik dagegen gibt sich machtlos, eher aber willenlos.

von Tim Bartels

„Der Erfolg von Lebensmittelklarheit zeigt, dass Verbrauchertäuschung kein Einzelfall ist“, sagt Gerd Billen vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Er zieht eine positive Bilanz des im Juli 2011 eingeführten Portals www.lebensmittelklarheit.de. Seit dessen Start wurden 360 berechtigte Produktbeschwerden veröffentlicht.

Demnach fühlen sich viele Verbraucher durch Begriffe und Bilder auf Verpackungen getäuscht. Beispiel Müllermilch: Die Marke wirbt auf der Flasche eines Getränks mit „Heimische Früchte“ – das Obst stammt aber zum Teil gar nicht aus Deutschland. Beispiel Maggi: „ohne Zusatzstoff Geschmacksverstärker“, wirbt die Aufmachung eines Kartoffelgratinpulvers – doch tatsächlich ist glutamathaltiger Hefeextrakt mit drin, ein Geschmacksverstärker! Beispiel Knorr: „Kräuter & Gewürze pur“ nennt die Marke ihre Paste – Pur? Von wegen: Tatsächlich haben Kräuter darin nur einen Anteil von elf Prozent.

Anderthalbtausend berechtigte Hinweise wurden auf dem Verbraucherportal gemeldet. Leider führte das nicht auch automatisch zu einer angemessenen Reaktion des Herstellers. Doch immerhin jeder dritte Anbieter änderte auf die Beschwerde hin die Aufmachung seines Produkts. „Es ist gut, dass einzelne Unternehmen reagieren“, sagt Billen. Aber das reiche nicht, so der VZBV-Vorsteher: „Wir brauchen verbindliche Vorgaben für alle. Und da hat sich nach wie vor nichts getan.“

Auch von Seiten der Organisation Foodwatch heißt es, dass die durchaus begrüßenswerte Infoseite „kein Ersatz für dringend notwendige Gesetzesänderungen“ sei. Dazu zählen die Verbraucherschützer Vorschriften für eine umfassende Herkunftskennzeichnung, lesbare Angaben auf Lebensmittelverpackungen, verbindliche Mengenangaben für beworbene Zutaten, aber auch grundsätzliche Regelungen beispielsweise für Kinderlebensmittel oder zu Gesundheitsaussagen. „Um Änderungen anzustoßen“, sagt der fachliche Projektleiter von Lebensmittelklarheit, Hartmut König, „ist die Sicht der Verbraucher aber unverzichtbar.“ Sie sind weiterhin aufgefordert, sich einzubringen!

> www.foodwatch.org/de/informieren/werbeluegen/mehr-zum-thema/15-punkte-plan/
> www.vzbv.de/cps/rde/xbcr/vzbv/lebensmittelklarheit-zweijahresbilanz-2013.pdf

Das sollten Sie einfordern:

1. Deutliche Bezeichnung des Lebensmittels auf der Vorderseite. Eine klare Beschreibung des Lebensmittels gehört unbedingt auf die Schauseite der Verpackung. Sie muss sich am Verbraucherverständnis orientieren. Einige Produktnamen und Abbildungen auf der Vorderseite zeigen nicht die tatsächliche Beschaffenheit eines Lebensmittels. Erst die Rückseite gibt Auskunft, dass sich beispielsweise hinter einem Hähnchenbrustfilet mit dem Hinweis „Qualität frisch am Stück“ in Wirklichkeit zerlegtes, zusammengefügtes und gegartes Fleisch verbirgt; oder das Getränk „Multivitamin Fair“ nur 50 Prozent Fruchtanteil enthält.

2. Kein Versteckspiel bei Zutaten. Die Zutatenlisten gehört auf alle Verpackungen. Sie zählt schließlich zu den wichtigsten Informationen auf Lebensmitteln. Tatsächlich ist sie aber auf Getränken mit einem Alkoholgehalt ab 1,2 Volumenprozent nicht vorgeschrieben. Auch auf Käse und vielen Milcherzeugnissen fehlt sie komplett oder führt mit dem Hinweis „weitere Zutaten“ nur wenige Bestandteile auf wie Speisesalz oder Kräuter.

3. Was gezeigt wird, muss auch enthalten sein. Die Abbildungen auf Lebensmittelverpackungen müssen der Wirklichkeit entsprechen. Fruchtsäfte werden häufig mit Fotos exotischer Früchte oder exotischer Namen vermarktet, obwohl jene Früchte nur in sehr geringen Mengen enthalten sind. Hauptzutaten wie z.B. Apfelsaft werden dagegen versteckt mitgeteilt.

4. Ursprung und Herkunft nicht verschleiern. Verbraucher wollen den Lebensmittelproduzenten und den Ursprung seiner Rohstoffe wissen. Angaben wie „hergestellt für …“ sagen nichts aus.

5. Qualitäten ehrlich und transparent auszeichnen. Es sind eindeutige Regeln nötig, wann Unternehmen mit Qualitätseigenschaften wie Region, Tierschutz oder Tradition werben dürfen. Zudem sollten Angaben wie „ohne Konservierungsstoffe“ nur zulässig sein, wenn keine Zutaten mit gleicher Wirkung enthalten sind.

> www.vzbv.de/cps/rde/xbcr/vzbv/Klartext-Lebensmittel-Forderungen-Lebensmittelklarheit-2013.pdf

Bilanz Lebensmittelklarheit.de

Seit dem Start des Portals am 20. Juli 2011 haben rund 7 300 Verbraucher Lebensmittel gemeldet, durch deren Aufmachung und Kennzeichnung sie sich getäuscht fühlen.

  • Unter www.lebensmittelklarheit.de wurden bislang rund 360 Täuschungen mit Stellungnahme der Hersteller veröffentlicht. Sie stehen exemplarisch für mehr als 1 500 zutreffende Hinweise.
  • Etwa die Hälfte aller Produktbeschwerden waren aus Sicht der Verbraucherzentrale berechtigt. An erster Stelle stehen dabei Zutaten, die nicht in der angepriesenen Menge im Produkt stecken.
  • Rund16 Prozent der nicht fürs Portal geeigneten Hinweise waren Fälle fürs Eichamt und betrafen die Diskrepanz zwischen Packungsgröße und Inhalt.
  • Bei jeweils fast 10 Prozent der Beschwerden ging es um Hygienemängel oder Kritik an Optik und Geschmack, für die die Lebensmittelüberwachung oder die Anbieter die richtige Anlaufstelle sind.  

 

 
 
 

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