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Ausgabe 17/12, 30. August
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Umweltbriefe

Fünf NABU-Tipps

 

 

 

 

Wespen
Schwarzgelbe Gefahr

Alle Jahre wieder im Spätsommer schwärmen sie aus: die Wespen. Zielstrebig landen die hungrigen Insekten auf dem Pflaumenkuchen. Weil bald weitere Mitesser im schwarzgelben Warnkleid auftauchen, ergreift so manche Kaffeerunde doch lieber die Flucht ins Haus.

von Roland Knauer

Und reagiert damit genau richtig. Denn einmal abgesehen von eher seltenen allergischen Reaktionen ist das Wespengift zwar nicht sonderlich gefährlich – erst ein paar hundert Stiche bringen einen Menschen in Lebensgefahr. Aber jeder einzelne dieser Stiche ist ziemlich schmerzhaft. Da ist das Verlegen der Kaffeetafel ins Haus sicher die bessere Alternative. Das gilt natürlich besonders für das vielleicht eine Prozent der Bevölkerung, das auf Insektengifte allergisch reagiert. Bei einem Stich schwillt dann nicht nur die Region um die betroffene Hautstelle an, sondern wird auch der gesamte Organismus in Mitleidenschaft gezogen.

In Extremfällen kann ein anaphylaktischer Schock tödlich enden. Das ist selten der Fall: Das statistische Bundesamt registrierte 1999 in Deutschland 21 Todesfälle nach allergischen Reaktionen auf Insektenstiche. Im selben Zeitraum starben dagegen mehr als 7 000 Menschen im Straßenverkehr. In den meisten Fällen löst der Stich einer Biene oder einer Wespe eine solche Reaktion aus, Allergien auf Hornissenstiche sind viel seltener.

Von den elf Arten der in Mitteleuropa fliegenden Echten Wespen fallen nur zwei Arten auf, weil sie gern an Pflaumenkuchen oder Grillsteaks naschen: Die Deutsche Wespe Vespula germanica und die Gemeine Vespula vulgaris erreichen Größen von 3 000 oder 4 000 Insekten, in guten Jahren können es auch 7 000 sein. Die Geschichte eines Wespenvolkes beginnt aber immer mit einem einzelnen Tier, der Königin. Im Herbst sucht sie sich ein Versteck im morschen Holz. Dort fällt sie in eine Winterstarre und übersteht in diesem reglosen Zustand die kalte Jahreszeit. Wenn ab Mitte April die Sonnenstrahlen schon kräftig heizen, sucht sich die Königin dann eine Stelle, an der sie ihr Volk gründen kann.

Das kann ein verlassener Mäusegang unter der Erde oder ein Rolladenkasten oder auch ein Dachstuhl sein. Für den Nestbau zerkauen die Tiere Holz zu einer papierartigen Masse, aus der sie ähnlich wie Honigbienen sechseckige Zellen formen. Seit dem Herbst hat die Königin Spermien von einer männlichen Wespe in ihrer Samentasche aufbewahrt. Damit befruchtet sie ihre ersten Eier, die sie in die neuen Waben legt. In dieser Zeit gibt die Königin Botenstoffe ab.

Diese Pheromone lassen aus den Larven unfruchtbare Wespen wachsen, die ähnlich wie im Bienenstaat der Wespenkönigin zunehmend die Arbeit abnehmen. Während ihre ersten Nachkommen Nahrung für die Brut besorgen und neue Waben bauen, zieht sich die Königin aus diesen Arbeiten zurück, bis sie nur noch mit dem Legen von Eiern beschäftigt ist. Das Leben im Wespenstaat ähnelt jetzt verblüffend einem Bienenstock, Tatsächlich sind Wespen mit den Immen eng verwandt.

Im Spätsommer sondert die Königin dann weniger Pheromone ab. Aus ihren letzten Eiern entwickeln sich schließlich keine Arbeiterinnen, sondern fruchtbare Weibchen. Und aus unbefruchteten Eizellen schlüpfen männliche Drohnen. Beide zusammen sind für die nächste Generation im kommenden Jahr zuständig, während die alte Wespenkönigin stirbt. Zu diesem Zeitpunkt aber ist das Nest noch lange nicht verwaist, es gibt ja noch die Arbeiterinnen. Diese müssen keine Brut mehr versorgen und jagen daher auch kaum noch Insekten. Jetzt verlegen sie sich vielmehr auf energiereiche Pflanzenkost und machen sich zum Beispiel über Fallobst her. Oder eben über einen Pflaumenkuchen. Aus diesem Grund tauchen die lästigen Mitesser im schwarz-gelben Warnkleid auch vor allem im Spätsommer oder Frühherbst auf.

> Weitere Infos gibt es in der NABU-Broschüre Bienen, Wespen und Hornissen, gegen Einsendung von 3,45 Euro in Briefmarken erhältlich bei NABU Hamburg, Osterstraße 58, 20259 Hamburg

Fünf NABU-Tipps 

1. Nicht zuhauen und nicht wegpusten. Falls sich Wespen nähern, sollte man niemals wild um sich schlagen, sondern die Wespen sanft wegschieben. Wespen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Vermeiden Sie deshalb heftige Bewegungen. Auch das Wegpusten der Tiere ist nicht ratsam: Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt den Wespen als Alarmsignal.

2. Im Freien Süßspeisen, Fleisch, Wurst abdecken. Reste wegräumen. Nicht direkt aus der Flasche trinken. Am besten für Getränke einen Strohhalm benutzen. Nach dem Essen sollte bei Kindern der Mund abgewischt werden. Ebenso sollte man nicht dort barfuß laufen, wo Fallobst am Boden liegt. Wespen können von Gerüchen wie Parfüm, Cremes, Holzmöbelpolitur oder ähnlichen Düften angezogen werden. Zudem fliegen sie auf bunte Kleidung.

3. Ablenkfütterung. Bieten Sie den Wespen fünf bis zehn Meter vom Ort des Geschehens überreife Früchte an, Weintrauben sollen sich dafür gut eignen. Das hält die Wespen in Schach. Vorsicht: Unverdünnte Marmelade oder reiner Honig wirken als Ablenkung weniger gut. Sie machen die Tiere aggressiv. Vom Kauf von mit süßem Saft oder Bier gefüllten Wespenfallen rät der NABU ganz ab. Die Tiere sterben in der Flüssigkeit einen qualvollen Tod. Zudem gehen nur alte Tiere in die Falle. Das aktive Volk wird nicht dezimiert

4. Zugang zu Innenräumen versperren. Beispielsweise mit Vorhängen. Um Wespen aus dem Haus zu halten, empfiehlt es sich, Fliegengaze an Küchen-, Bad- und Kinderzimmerfenstern anzubringen. Haben sich dennoch Wespen ins Haus verirrt, wird ein Glas übers Insekt gestülpt und ein Stück Papier untergeschoben, um das Tier wieder nach draußen zu bringen.

5. Wenden Sie sich an Fachkundige vor Ort für eine Beratung. Falls sich Wespen an ungünstiger Stelle angesiedelt haben, lässt das Nest möglicherweise schonend umsiedeln, anstatt es dem Schädlingsbekämpfer zu überlassen. Falls nicht, sollten Sie sich immer erklären und zeigen lassen, welche Mittel der Schädlingsbekämpfer einsetzen will. Bei der Abtötung von Wespennestern in Rollladenkästen kann es zu einer unnötigen Raumluftkontamination kommen, wenn ungeeignete Mittel eingesetzt werden.

> www.nabu.de/ratgeber/wespen.pdf
> www.nabu.de/tiereundpflanzen/insektenundspinnen/hautfluegler/wespenundhornissen/

 

 
 
 

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