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Ausgabe 17/14 28. August
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Umweltbriefe

Das ändert sich – oder auch nicht:

Photovoltaik (Solarstrom)
Lohnt sich auch weiterhin

Das neue Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ist am 1. August 2014 in Kraft getreten. Damit verändern sich die Rahmenbedingungen für Investoren. Wichtigste Botschaft für Hausbesitzer: Ihr Eigenverbrauch aus kleinen Photovoltaikanlagen auf dem Dach wird von der EEG-Umlage nicht belastet. Gut geplant sei die Solarstromerzeugung auch weiterhin lohnenswert, sagt Carsten Tschamber von der Branchenvereinigung Solar Cluster Baden-Württemberg.

von Tim Bartels

Ab einer Größe von zehn Kilowatt installierter Leistung müssen Betreiber von Neuanlagen, die ihren Solarstrom selbst verbrauchen möchten, künftig für jede Kilowattstunde (kWh) Eigenproduktion einen Teil der EEG-Umlage zahlen. Dieses Jahr werden dreißig Prozent fällig von den 6,24 Cent Ökostromumlage derzeit. Von 2016 an steigt der Anteil für den Eigenverbrauch auf 35 Prozent der Umlage, von 2017 an sind gar 40 Prozent zu entrichten. „Die Anlagen auf Eigenheimen sind in der Regel aber kleiner als zehn Kilowatt“, sagt Solarexperte Tschamber. Die meisten privaten Hausbesitzer bleiben demnach von jener neuen Abgabe befreit. Die Eigenverbrauchsbelastung gilt auch nicht für Altanlagen. Also jene, die bereits vor August dieses Jahres aufs Dach gezimmert wurden. Sie genießen Bestandsschutz.

Eine der wesentlichen Neuheiten der Novelle ist neben dem fälligen EEG-Umlageanteil auf selbst verbrauchten Ökostrom die Einführung einer „verpflichtenden Direktvermarktung“. Die gilt vor allem für gewerbliche Solarkraftwerke mit mindestens 500 Kilowatt installierter Leistung (kWp), von 2016 an aber bereits ab 100 kWp. Für diese Anlagen wird keine Einspeisevergütung mehr gezahlt. Sofern die Betreiber dieser Größenordnung den erzeugten Ökostrom nicht selbst verkaufen oder selbst verbrauchen, müssen sie sich einen Direktvermarkter suchen.

Speichern ist Trumpf
Wer von seinem selbst gewonnenen Solarstrom auch so viel wie möglich selbst verbrauchen will, für den ist ein Solarspeicher interessant. Der ist nur so groß wie eine Waschmaschine und passt in jeden Keller. Bei Überschussstrom werden die Batterien geladen, bei hohem Verbrauch entladen sie. Die Akkus könnten den Grad der Selbstversorgung auf maximal 80 Prozent bringen, heißt es. Ein Privathaushalt mit einem Verbrauch von 4 500 kWh im Jahr müsste also im besten Fall nur noch 900 kWh von seinem Energieversorger beziehen. Allerdings hat der Speicher auch seinen Preis: Die Spanne liegt nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft zwischen 3 000 und 12 000 Euro. Demnach könnte der Akku teurer werden als die Anlage auf dem Dach. Um dem Markt für Solarspeicher auf die Beine zu helfen, fördert die staatliche KfW-Bankengruppe bereits seit Mai 2013 deren Anschaffung: 30 Prozent der Kosten sind als Zuschuss drin. Dabei wird unterschieden, ob der Speicher gleichzeitig mit einer Solaranlage installiert oder ob er zu einer bestehenden nachgerüstet wird. Die maximale Förderung liegt im ersten Fall bei 600 Euro pro Kilowatt Solarleistung, im zweiten Fall bei maximal 660 Euro, da ein höherer Aufwand für den nachträglichen Einbau der Steuerungstechnik angenommen wird.

> Mehr Informationen zum Förderprogramm erhalten Sie unter http://die-sonne-speichern.de

Das ändert sich – oder auch nicht:

1. Bagatellgrenze. Besitzer kleiner Photovoltaik-Dachanlagen bleiben von der EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch verschont. Die Abgabe ist erst ab einer Anlagengröße von zehn Kilowatt installierter Leistung fällig. Ein Großteil der Solarstromanlagen auf deutschen Dächern leistet zwischen zwei und acht Kilowatt (kWp), das entspricht 20 bis 60 m2 Dachfläche.

2. Einspeisevergütung. Die Vergütung für in das Netz eingespeisten Strom aus kleineren Neuanlagen auf Wohnhäusern bis 10 kWp beträgt seit dem 1. August 2014 pro Kilowattstunde (kWh) 12,75 Cent und sinkt damit etwas weniger als bisher. Die Höhe der Vergütung ist für zwanzig Jahre garantiert, sinkt jedoch, je später man sich für eine Solaranlage entscheidet.

3. Degression. So nennt man die kontinuierliche Absenkung der Vergütung. Von September an installierte Anlagen müssen bereits mit etwas weniger als 12,75 Cent rechnen. Der garantierte Satz sinkt jeden Monat, je nach Anzahl der Neuinstallationen in den Vormonaten. Man spricht vom atmenden Deckel: Bei einer Neuinstallation von 2,4 bis 2,6 Gigawatt (GW) pro Jahr, dem politisch gewünschten Zubau, beträgt die Degression 0,5 Prozent monatlich. Verdoppelt sich das Volumen auf 5 GW, sinkt die Vergütung um 1,8 Prozent im Monat. Wird weniger installiert, erhöht sich die Förderung: Unter einem Zubau von 1 GW steigt die Vergütung einmalig um 1,5 Prozent im folgenden Quartal.

4. Investition. Die Anschaffung einer neuen Solaranlage lohnt sich finanziell immer noch, besonders, wenn der Eigenverbrauch maximiert wird durch einen im Keller installierten Speicher.

5. Solarthermie. Solaranlagen zur Warmwasserbereitung und Heizung fallen nicht unter das EEG. Sie sind von den seit 1. August 2014 geltenden Änderungen nicht betroffen und müssen auch zukünftig keine EEG-Umlage entrichten.

6. Klimaschutz. Der ökologische Nutzen bleibt nach wie vor. Denn je mehr sauberer, CO2-freier Solarstrom erzeugt wird, wo und wie auch immer, um so mehr bremst man den Klimawandel.

Photovoltaik in Deutschland

Hierzulande sind knapp anderthalb Millionen Solarstromanlagen mit rund 36 Gigawatt (GW) maximaler Leistung am Netz.

  • Im Jahr 2013 erzeugten rund 1,4 Millionen Solaranlagen 29,7 Terawattstunden Strom, deckten damit rein rechnerisch den Jahresstromverbrauch von acht Millionen Haushalten und ersparten der Atmosphäre rund 21 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2.
  • Im ersten Halbjahr 2014 ist bei der Bundesnetzagentur nur noch rund ein Gigawatt Photovoltaik-Leistung neu gemeldet worden. Zum Vergleich: In den Boomjahren 2010 bis 2012 war es mehr als dreimal so viel.

 

 

 
 
 

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