UmweltBriefe - Aus Kommunen und Forschung
HOME AKTUELL ARCHIV SUCHEN UEBER UNS IMPRESSUM PROBEABO MEDIADATEN
Ausgabe 21/12 25. Oktober
 
Titel
Kommunen
Aus Politik und Verbänden
Publikationen
Abfall
Immissionsschutz
Energie
Mobilität
Naturschutz
Klima
Umweltrecht
Trends
Hintergrund
Bürgerinfo
 
  Umweltbriefe

Klimakommunen

Jetzt ist erst mal ein Dorfgemeinschaftsabend fällig", sagt Randolf Moos – und wie er das sagt, der Bürgermeister von Didderse, bekommt man eine Ahnung davon, dass viele seiner 1 320 Mitbürger gern zusammenkommen, wenn es etwas zu feiern gibt. Und das ist hier der Fall: Moos hat nämlich gerade einen plakatgroßen Scheck im Wert von 20 000 Euro aus der Hand des niedersächsischen FDP-Umweltministers Stefan Birkner entgegengenommen. Preisgeld für den Titel „Klimakommune“, den die kleine Gemeinde im Landkreis Gifhorn neben der Stadt Barsinghausen und dem Landkreis Aurich künftig tragen darf. Und Lohn für ein fast vollständig umgesetztes Energiekonzept, das der Gemeinderat ganz unbescheiden „Energiewende in Didderse“ genannt hat.

Was hat dieses Dorf geleistet? Nichts Außergewöhnliches eigentlich: Die Straßenbeleuchtung wurde kurzerhand auf energieeffizientes LED umgestellt, ebenso wurden die Lampen in der Sporthalle und Kita ausgetauscht, die Heizungsanlagen beider Gebäude saniert sowie aufs Dach der Halle eine Solarstromanlage installiert. Kein Hexenwerk also, dafür so breit angelegt, wie das eben in einer kleinen Kommune möglich ist, und konsequent durchgezogen. Bürgermeister Moos betont, dass man Didderses Energiewende nicht auf Pump realisiert habe. Alles sei aus Rücklagen der Gemeinde und Förderzuschüssen des Bundes bezahlt worden. Und nun fließt nicht nur Preisgeld ins Gemeindesäckel zurück, auch Wärme, Strom und damit viel CO2 wird künftig eingespart.

Insgesamt 100 000 Euro hat Niedersachsens Umweltministerium springen lassen, damit auch dieses Jahr nach 2010 – damals allerdings mit 1 Mio. Euro Fördergeld – wieder Kommunen für ihre Anstrengungen im Klimaschutz gewürdigt werden. „Dass andere das nachmachen“, wie Marco Trips von der AG kommunaler Spitzenverbände betont. Nach Eingang der 38 Beiträge stellte die Jury fest, dass nicht nur große Städte und Landkreise die Energiewende ankurbeln. „Auch die kleinen Kommunen haben daran einen beachtlichen Anteil“, lobt Trips. Abzulesen etwa am Energiekonzept der 5 846-Einwohner-Gemeinde Bakum, deren Volksbank sich mit den Kollegen aus Visbek zu einer Energiegenossenschaft zusammengeschlossen hat.

Die Gemeinde Bakum setzt bereits auf fünf Windkrafträder, jede Menge Solarstrom von öffentlichenen Dächern und vier Biogasanlagen. Als Vorbild und „Leuchtturm“ für kleine Kommunen wurde Bakum mit 5 000 Euro bedacht. Immerhin noch 1 000 Euro waren der Jury die Projekte in der Gemeinde Rhede (Ems) für ein Niedrigenergiehaus als Demonstrationszentrum für Energiethemen in der Schule, in der Gemeinde Tostedt für energieeffiziente Straßenleuchten und in Uetze für die Wärmenutzung aus eigenen Biogasanlagen wert.

Und wer allein nichts bewegen will oder kann, schließt sich mit anderen Kommunen zusammen, so wie das Netzwerk der Gemeinden Ganderkesee, Lemwerder, Dötlingen, der Stadt Delmenhorst und des Landkreises Oldenburg. Deren gemeinsame Projekte in 41 Schulen und Kitas sollen bereits 230 000 Euro und 3 175 Tonnen CO2 eingespart haben. Auch die Energieagentur Region Göttingern will kleine Ortschaften zum Stromsparen anstiften. Für ihren Wettbewerb haben sich 32 Dörfer mit 100 bis 1 500 Einwohnern angemeldet, die ihren Stromverbrauch nach einem halben Jahr messen und dokumentieren sollen. Dafür werden Stromsparlotsen ausgebildet, die zu den Nachbarn gehen, Daten sammeln und in Sachen Energiesparen beraten.

Wie immer kommt es dabei auf engagierte Amtsleute oder Initiativen aus der Bürgerschaft an. Manchmal reicht eine einzige Person, die es schafft, andere mitzuziehen. In der dieses Jahr zur Klimakommune ausgezeichneten Stadt Barsinghausen, die in ihren öffentlichen Gebäuden seit Jahren ein sehr konsequentes Energiemanagement betreibt, ist es der Fachdienstleiter für Gebäudewirtschaft, Ulrich Lembeck, der es versteht, andere mitzureißen – und damit seinem Kämmerer viel Freude bereitet, vor allem aber viel Geld einspart. Allein das hehre Ziel Klimaschutz reicht selten als Antrieb. Vor der versammelten Preisträgerschaft in Hannover sagte Lembeck: „Ich kann Sie nur dazu ermutigen, da dran zu bleiben und das weiter voranzutreiben.“

von Tim Bartels

> Alle 19 Preisträger im Überblick finden Sie als PDF unter www.kuk-nds.de/uploads/media/Pressemappe_Preisverleihung_.pdf
> Kommunale Umwelt-AktioN, Ruth Drügemöller, Arnswaldtstr. 28, 30159 Hannover, Fon 0511/30285-66, Fax -56, druegemoeller@kuk-nds.de
> Stadt Barsinghausen, Ulrich Lembeck, Fachdienst Gebäudewirtschaft, Rathaus I, U02 Bergamtstr. 5, 30890 Barsinghausen, Fon 05105/774-2244, Fax -92244, ulrich.lembeck@stadt-barsinghausen.de
> Gemeindeverwaltung Didderse, BM Randolf Moos, An der Schule 6, 38530 Didderse, Fon 05373/ 7266, Fax 05373-331828, www.didderse.de

 

 

© 2012 Walhalla u. Praetoria Verlag GmbH & Co. KG | Impressum | Datenschutzerklärung