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Ausgabe 21/12 25. Oktober
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+++ Neue Ottomotoren mit Direkteinspritzung verbrennen effizienter als herkömmliche Benziner. Doch diese Spritspartechnik verursacht diesselbe Verschmutzung wie Diesel: Beide emittieren ultrafeine Partikel, die lungengängig und damit gesundheitsgefährdend sind. Was für den Diesel mittlerweile Standard ist, ein Partikelfilter, gilt auch für den Benziner: „Der Filter hält mehr als 99 Prozent der Partikel zurück“, sagt der frühere Verkehrsabteilungschef des Umweltbundesamtes, Axel Friedrich. Kosten: weniger als 50 Euro. Doch das ist offenbar zu teuer für die Controller in der Autoindustrie, die bis 2017 „ein Verschmutzungsprivileg für Benzin-Direkteinspritzer-PKW durchgesetzt hat“ und sich gegen den Filter wehrt. Er sei den Ingenieuren wie „ein ungeliebtes Kondom“, sagt VCD-Mann Gerd Lottsiepen, „der Motor ist ihnen heilig“. Darin müsse das Schadstoffproblem gelöst werden.

In der Tat will nun etwa Daimler das Dilemma innermotorisch gelöst haben und in der Lage sein, den 2017 geltenden Grenzwert ohne Filter einzuhalten. Die Deutsche Umwelthilfe und der VCD beauftragten den Tüv Nord, das nachzumessen. Ergebnis: Bei hohen Temperaturen blieb das Mercedes-Modell tatsächlich unter dem Limit. „Doch bei minus sieben Grad wurde der Grenzwert um ein Vielfaches überschritten“, sagt Friedrich. Diese Emissionen seien problematisch, weil es im Winter, etwa durch Inversionswetterlagen, zu besonders hohen Partikelkonzentrationen in der Umgebungsluft der Innenstädte kommt, was die Gesundheitsgefahr erhöht.

Demnach kommen die Autobauer des direkteinspritzenden Benziners bei klirrender Kälte um den Filtereinsatz offensichtlich nicht mehr herum. Die verweisen, wie etwa BMW, weiter auf das Einhalten der Grenzwerte nach dem „Neuen Europäischen Fahr-Zyklus“ (NEFZ). Dessen Messumstände halten die Verbände aber für allzu geschönt und realitätsfern (s. UB 15-16/11, S. 1). Derzeit wird darum gerungen, einen neuen weltweit gültigen Zyklus einzuführen, den „Worldwide harmonized Light vehicles“. Damit nämlich wurde der Benziner-Grenzwert für 2017, den Diesel-PKW schon jetzt einhalten müssen, nach den Messungen des Tüv Nord um mindestens das Dreifache überschritten. Will die Autoindustrie also weiterhin nicht auf ein „Kondom“ bauen, muss sie sich etwas einfallen lassen.

von Tim Bartels

> Dr. Axel Friedrich, Fon 0152/29483857, axel.friedrich.berlin@gmail.com, www.duh.de/uploads/media/Partikel-Benziner_Unterschiedliche_Temperaturen_2012-10-09_final.pdf

Weitere Meldungen in der Ausgabe 21/2012

 

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