UmweltBriefe - Aus Kommunen und Forschung
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Ausgabe 22/12 8. November
 
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Black Box KWK

Kraft-Wärme-Kopplung oder kurz KWK – „ich kann dieses Wort nicht mehr hören.“ Das sagt ausgerechnet KWK-Experte Hans-Joachim Ziesing, der im Auftrag der Bundesregierung die Energiewende überwacht. Auf dem Kongress des KWK-Bundesverbandes in Berlin empfahl er dem Gewinner des dort erstmals verliehenen Journalistenpreises, einen neuen Begriff fürs gleichzeitige Erzeugen von Strom und Wärme zu finden. Längst getan haben das schon die Marketingstrategen des Hamburger Versorgers Lichtblick, als sie 2009 auf den KWK-Markt gingen und für ihre Mini-Blockheizkraftwerke (BHKW) den Namen „Zuhause-Kraftwerke“ erfanden. „Wir müssen die KWK kommunikativ anders aufstellen, um gegen die sexy Solarkraft anzustinken“, sagte Lichtblick-Sprecher Ralph Kampwirth vergangenen Mai auf den Berliner Energietagen. Auf dem KWK-Kongress ging es denn auch darum, „die effiziente und umweltfreundliche Technologie noch besser in der Öffentlichkeit bekannt zu machen“. Denn der Nutzen der KWK ist unbestritten, sinken damit doch der Verbrauch fossiler Ressourcen und die daraus verursachten CO₂-Emissionen schlagartig. Gute Anlagen sind in der Lage, 90 Prozent der im Brennstoff enthaltenen Energie zu verwerten. In puncto Energieeffizienz ist das unschlagbar – wenn der Strom und die Wärme auch an Ort und Stelle verbraucht werden. Genau das ist aber das Problem überdimensionierter Anlagen, deren bereitgestellte Wärme nicht genug Abnehmer findet. Und den Mini-BHKW mangelt es tatsächlich an Bekanntheitsgrad und Anreizen. Deswegen stagniert der KWK-Anteil an der deutschen Strom- und Wärmeerzeugung seit Jahren bei weniger als 15 Prozent. Das soll nun, hoffen Branche und Schwarz-Gelb, mit der im Juli in Kraft getretenen Novelle des KWK-Gesetzes anders werden (s. UB 12/12, S. 8). Ob nun als Mini- oder Mikro-BHKW in Ein- und Mehrfamilienhäusern oder im kommunalen oder industriellen Maßstab – KWK kann für die Energiewende eine tragende Rolle spielen. Denn: „Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbare Energien können sich prima ergänzen.“ Diese Botschaft, sagte der Frankfurter Energiereferatsleiter Werner Neumann in Berlin, müsse noch sehr viel stärker als bisher kommuniziert werden. Schließlich seien dezentrale Blockheizkraftwerke bestens dazu geeignet, die fluktuierende Stromerzeugung aus Wind und Sonne auszugleichen – insbesondere durch ihr mögliches Zusammenschalten als virtuelles Kraftwerk.

So macht es Ökostromer Lichtblick mit seinen mittlerweile bundesweit rund 600 installierten erdgasbetriebenen Mini-BHKW, die von der „Schwarm-Zentrale“ in Hamburg aus angesteuert werden können, um bei starker Nachfrage Strom ins Netz einzuspeisen, während die Wärme in einem 1 600-Liter-Speicher vor Ort gehalten wird (vgl. UB 21/12, S. 4). Und so macht es neuerdings auf Brennstoffzellenbasis auch Trianel in Aachen, wo der Stadtwerkeverbund in einem ersten Schritt bundesweit 25 Mikro-BHKW (insgesamt 50 kW elektrische Leistung) miteinander vernetzt hat und dort zentral wie ein einziges Kraftwerk steuert. Die beteiligten Stadtwerke haben die BHKW in ihren Kundenzentren und bei ausgewählten Verbrauchern installiert.

„Eine Verdopplung des Anteils auf mehr als 25 Prozent bis 2020 ist machbar“, sagte B.KWK-Vize Brosziewski in Berlin. Das Ziel der Bundesregierung findet er „nicht allzu sportlich“. Denn annähernd 60 Prozent des Stroms könnten hierzulande in KWK erzeugt werden. Das hat nach B.KWK-Angaben bereits eine Potenzialanalyse aus dem Jahr 2005 gezeigt. Auch angesichts „der tollen, neuen klimaneutralen Gebäude“ ist Brosziewski um die Zukunft der KWK nicht bange: „Wir werden auch noch in vierzig Jahren klassischen Wärmebedarf haben.“ Er kritisiert allerdings immer noch bestehende bürokratische Hürden für den Einsatz der KWK. Einer Kirchengemeinde, die ihre Räume mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW) versorgen will, verlöre ihren Status der Gemeinnützigkeit, weil sie in den Augen des Finanzamtes durch die Stromeinspeisung zum Unternehmen werde. „Solche Tollheiten sind einfach nicht nachzuvollziehen“, schimpft Brosziewski.

Auch die rot-grüne Regierung in NRW will den KWK-Anteil auf 25 Prozent steigern. Landesumweltminister Johannes Remmel hat darum jetzt einen Förderwettbewerb für Kommunen gestartet. „KWK-Modellkommune 2012 bis 2017“, heißt das Projekt, das Städte und Gemeinden beim Auf- und Ausbau ihrer KWK mit 25 Mio. Euro unterstützen soll. Die Kommunen können sich bis Ende Januar 2013 mit einem Konzept bewerben – und dürfen die Kraft-Wärme-Kopplung auch weiterhin (noch) so nennen.

von Tim Bartels

> Den Aufruf zum Wettbewerb finden Sie als PDF unter www.umwelt.nrw.de/umwelt/pdf/bekanntmachung_kwk_modellkommune_121010.pdf
> Die Referenten-Charts des
4. Branchen übergreifenden KWK-Kongress des B.KWK können Sie gegen 120 Euro (B.KWK-Mitgl. 80 Euro) bestellen bei information@bkwk.de
> B.KWK, Markgrafenstr. 56, 10117 Berlin, Fon 030/ 27019281-0, Sylvia.Hauser@bkwk.de, www.bkwk.de

 

 

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